Das Exil von Carles Puigdemont kann nicht mit dem von Exilspanier:innen verglichen werden!

Historische Ereignisse sind in den seltensten Fällen miteinander vergleichbar, weil jedes Ereignis in einem eigenen sozio-kulturellen und politischen Kontext steht. Wenn also der spanische Vizepräsident Pablo Iglesias das Exil von Carles Puigdemont in Belgien mit dem der spanische Exilant:innen nach dem spanischen Bürgerkrieg vergleicht, dann ist das nichts als Verharmlosung einer der dunkelsten Kapitel der spanischen Geschichte.

Auf den ersten Blick erscheint der Vergleich durchaus berechtigt zu sein: Puigdemont droht die strafrechtliche Verfolgung in Spanien, ihn würde höchstwahrscheinlich kein fairer Prozess erwarten. Es ist also nicht weit hergeholt zu sagen, dass er wegen seiner politischen Ideen verfolgt wird und deshalb ins Exil gehen musste. 

Politische Verfolgung war auch der Grund hunderttausender Spanier:innen, unter ihnen viele Katalan:innen, als sie nach oder während des spanischen Bürgerkrieges nach Frankreich oder Mexiko flüchteten. An dieser Stelle endet jedoch die Gemeinsamkeit mit Puigdemont: Statt einer langjährigen Haftstrafe, wie im Falle des Ex-Präsidenten von Katalonien, drohte den Exilspanier:innen in Spanien der Tod, Folter oder Haft im Konzentrationslager – im schlimmsten Falle alles drei. 

Das Konzentrationslager blieb vielen jedoch auch in Frankreich nicht erspart: Hunderttausende Spanier:innen wurden dort interniert – zum Teil ohne Dach über ihren Köpfen. “Es war als wären wir Tiere”, erinnert sich Ángel Gómez, der mit ca. 100 000 anderen Spanier:innen in Saint-Cyprien interniert war. Bewacht wurden sie mit Maschinengewehren, die auch regelmäßig bei Fluchtversuchen eingesetzt wurden. Die Kälte führte zu Krankheiten, die zu langfristigen gesundheitlichen Schäden oder den Tod führten.

Natürlich zogen nicht alle Exilspanier:innen dieses Los, aber ein Großteil von ihnen. Dieses Exil mit dem eines Carles Puigdemont zu vergleichen, der ein Haus mit Garten im belgischen Waterloo bezogen hat, entzieht sich jeglicher moralischer Grundlage. Kennt er den Hunger, die Kälte, die Angst, das Gefühl, wenn der feuchte Sand dem Körper jegliche Wärme entzieht? Die Parteisprecherin von Podemos, Isa Serra, hat also völlig recht, wenn sie Puigdemont als einen Exilanten bezeichnet, dessen Situation aber nicht mit dem Leid der Exilspanier:innen während des Franquismus verglichen werden kann. Alles andere stellt eine Verhöhnung des Leids der geflüchteten Spanier:innen dar.