Dieter Nuhr: Quod erat demonstrandum

Alice Hasters ist eine deutsche Autorin und Podcasterin. 2019 veröffentlichte sie das Buch Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten, in dem sie von ihren persönlichen Alltagserfahrungen mit Rassismus erzählt. Nun spricht der Kabarettist Dieter Nuhr in seiner Satire-Sendung in der ARD über dieses Buch. Er hätte sich vielleicht sogar dafür interessiert, aber der Titel war ihm zu rassistisch. „Zu glauben die Hautfarbe – ob weiß oder schwarz, egal – bringe automatisch eine bestimmte Haltung mit. Das ist ja klassischer Rassismus.“

Schlimm genug, aber es geht noch weiter: In den USA, so Nuhr, sei das Buch ein „riesen Renner“ gewesen. Dort diskutiere man über den Inhalt des Buches und auch noch ernsthaft! Dass es sich bei Alice Hasters um eine deutsche Frau handeln könnte – auf diese Idee kam der weiße Mann nicht, der automatisch keine bestimmte Haltung mitbringt. Quod erat demonstrandum, würden die Mathematiker:innen sagen.

Nuhr will nicht verstehen, denn er hat verstanden. Das hängt auch mit seinem Beruf “Kabarettist” zusammen. Schließlich erwartet man von ihm, dass er eine “unbequeme Wahrheit” nach der anderen raushaut. Die Klimabewegung besteht aus jugendlichen Heuchlern, die arrogante Linke versucht alle Andersdenkende mundtot zu machen und benutzt dabei Nazimethoden – den Shitstorm, oder die “humane Schwester des Pogroms”, wie Nuhr es kürzlich nannte.

Bevor Nuhr jetzt mit “Cancel Culture” und Meinungsfreiheit um die Ecke kommt, sei gesagt: Natürlich darf er all das sagen. Mit derselben Natürlichkeit darf er auch deswegen kritisiert werden. Besonders, wenn er, wie im Falle von Hasters, einfach Schwachsinn erzählt. Nuhr sieht sich selbst als Realisten, jemand der frei von Ideologien ist und die Dinge beim Namen nennt. Er versucht dabei stets rational vorzugehen, baut seine Witze auf einem aus Logik bestehenden Gerüst auf, an dem er sich entlanghangelt. So ein Gerüst stürzt jedoch schnell ein, wenn das Fundament aufgrund einer Falschinformation einfach verschwindet. Oder die Argumentation saublöd ist.

“Lügen kann man nur, wenn man die Wahrheit glaubt”, sagt Nuhr in seiner Satire-Sendung. Die Wahrheit ist: Vor kurzem wurde Hasters Buch in einem neuen Band der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht. Und Nuhr? Der sollte das tun, was er eh am liebsten tut: Auf sich selbst hören. Schließlich stammt der Satz “Wenn man keine Ahnung hat: einfach mal Fresse halten” von ihm.

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