Kritisch unkritisch – Pablo Iglesias’ Selbstkritik

“Selbstkritik” – wenn Pablo Iglesias dieses Wort in den Mund nimmt, dann klingt es aufgesetzt, gar unnatürlich. Es passt nicht zu ihm und seinem Image. Iglesias ist der Meister, die Basis seine Schüler. Sie lernen von ihm und nicht umgekehrt. Und doch wurde ihm eine schmerzliche Lektion erteilt, die einen Dominoeffekt auslösen könnte: Podemos wird auf der politischen Bühne höchstens noch den Vorhang schließen können, denn die Vorstellung ist vorbei.

Bereits im letzten Jahr deuteten die katastrophalen Stimmenverluste bei den Kommunalwahlen darauf hin, dass etwas nicht richtig läuft in der Partei. Iglesias kommentierte dies mit: “Die Ergebnisse waren schlecht, jetzt müssen wir Selbstkritik üben.” Bei den gestrigen Regionalwahlen in Galicien und Euskadi kam es wieder zu schlechten Ergebnissen. Massive Stimmenverluste im Baskenland und in Galicien flog der Unidas Podemos Ableger “Galicia en Común” gar aus dem Parlament. Über 220 000 Stimmen gingen verloren. Pablo Iglesias fordert “Selbstkritik”.

Doch wie soll diese Selbstkritik aussehen? Die linken regionalistischen Parteien wie BNG in Galicien oder EH Bildu im Baskenland scheinen für die linken Wähler*innen eine bessere Alternative zu sein. Das ist verständlich, immerhin deuten die ewigen Streitigkeiten innerhalb von Podemos und regionalen Ablegern auf eine fragile Partei hin, der man nicht einfach so sein Vertrauen schenkt. Und das ist symptomatisch für Podemos, die auf nationaler Ebene eine ungläubige Einheit mit der PSOE demonstriert und in den Autonomien auseinanderfällt wie Kartenhäuser im Windkanal. Es fehlt an zukunftsfähigen Konzepten und fähigem Personal, das mehr als nur Phrasen dreschen kann.

In jeder anderen Partei hätte der Generalsekretär, angesichts der katastrophalen Wahlergebnisse der letzten Monate, den Hut nehmen müssen. Doch Podemos ist nicht wie jede andere Partei – im Guten wie im Schlechten. Das kommt ihnen nun teuer zu stehen.