Der Putsch am 17./18. Juli 1936

Historiker sind sich größtenteils einig, dass der spanische Bürgerkrieg überhaupt kein Krieg hätte werden sollen. Vielmehr versuchten konspirative Militärs die linke Volksfrontregierung mithilfe eines schnellen Staatstreiches zu stürzen. Die Strippen zog Emilio Mola (El Director) in Pamplona. Ziel war es, die Macht im spanischen Staat zu übernehmen und einen Staatsapparat ähnlich dem von Primo de Rivera zu installieren.1Preston, Paul: The Spanish Civil War. New York, 2006, S. 102

El Alzamiento

Am 17. Juli begann der Putsch in den spanischen Enklaven Melilla und Ceuta unter der Leitung des Generals Francisco Franco, der vorher nur zögerlich der Konspiration beigreten war. Das Kommando für den Angriff übernahmen andere Offiziere, da Franco sich zum Zeitpunkt des Angriffs noch auf den kanarischen Inseln befand.2Preston, Paul: Franco. New York, 1994, S. 140

Am nächsten Tag breitete sich der Putsch auf das spanische Festland aus. Im Süden Spaniens fielen die Städte Cadiz, Cordoba, Sevilla und Granada in die Hände der aufständischen Nationalisten. In den ländlichen Gebieten des Südens besiegten vielerots bewaffnete Arbeitermilizen die kleinen Guardia Civil Garnisonen. Gerade im Süden gingen die Nationalisten mit äußerster Brutalität vor. Tausende von Menschen wurden aufgrund ihrer politischen Einstellung ermordet und hingerichtet. Dieser blutige und brutale Kampf war von den putschenden Militärs durchaus gewollt:

„Es ist notwendig, Terror zu verbreiten. […] Jeder, der einen Kommunisten oder Unterstützer der Frente Popular versteckt, wird erschossen.“3Preston, Paul: The Spanish Civil War. New York, 2006, S. 103
Emilio Mola
Konspirativer Brigade General

Aus diesen Aussagen leitet der britische Historiker Paul Preston die wahren Intentionen der Nationalisten ab:

„Das Ausmaß des Terrors und der Unterdrückung in all jenen Gebieten, die die Rebellen mit Leichtigkeit gewonnen hatten, machte es deutlich, dass es nicht nur darum ging den Staat zu übernehmen. Vielmehr galt es, die komplette liberale und reformierende Kultur auszulöschen.“4Preston, Paul: The Spanish Civil War. New York, 2006, S. 109
Paul Preston
britischer Historiker

Der Staatsstreich brachte die Aufständischen zwar in eine gute Ausgangslage, jedoch war absehbar, dass der alzamiento (Aufstand), gescheitert war. Die Nationalisten hatten den starken Widerstand der zum Teil gut organisierten Arbeiterklassen unterschätzt. Gerade in den wichtigen Städten Madrid und Barcelona blieb die Rebellion erfolglos. Dies war wohl der Hauptfaktor für das Scheitern des Putsches.5Graham, Helen: The Spanish Republic At War 1936 – 1939. Cambridge, 2002, S. 93f

Drei Ministerpräsidenten an einem Tag

Die spanische Zentralregierung wurde in eine tiefe Krise gestürzt. Trotz Gerüchte um eine mögliche Verschwörung, habe die Regierung die Gefahr eines Aufstandes unterschätzt, sagt die Historikerin Helen Graham. Der Ministerpräsident Santiago Casares Quiroga (Izquierda Republicana) glaubte sogar, dass es sich lediglich um eine Kleinigkeit handeln würde. Immerhin hatte die spanische Republik bereits 1932 einen Putsch niederschlagen können.

Casares entschied sich, die Arbeiter nicht zu bewaffnen und forderte sogar, dass jeder, der solche Befehle erlassen sollte, zu erschießen sei.6Zugazagoitia, Julian: Historia de la guerra en España. Buenos Aires, 1940, S. 41 Er zog es vor, die in der Rebellion beteiligten Garnissonen aus der Armee zu entlassen. Zudem ließ er verkünden, dass die Aufstände spanienweit niedergeschlagen wurden.7Graham, Helen: The Spanish Republic At War 1936 – 1939. Cambridge, 2002, S. New York, 2006, S. 80f Tatsächlich aber hatte die Regierung die Kontrolle über die Situation im Land verloren.

Folglich trat Casares am 19. Juli 1936 zurück. Sein Nachfolger wurde Diego Martínez Barrio (Unión Republicana), der versuchte mit Mola zu verhandeln. Nachdem die Gespräche nach wenigen Stunden gescheitert waren, trat auch er zurück. Präsident Manuel Azaña stand vor einem Problem: Fast niemand wollte in dieser schwierigen Situation Verantwortung übernehmen.

Schließlich übernahm José Giral (Izquierda Republicana) das Amt des Ministerpräsidenten und befahl die sofortige Bewaffnung der Massen.8Graham, Helen: The Spanish Republic At War 1936 – 1939. Cambridge, 2002, S. 82f

Krieg an ideologischen Fronten

Die Frente Popular war mit Beginn des Putsches faktisch Geschichte und die innerlinken Konflikte, die tiefverwurzelt waren, traten zum Vorschein. So übernahm in den ländlichen Gebieten im Süden Spaniens zum Teil die CNT die Organisation und Bewaffnung der Arbeiterklassen. In Barcelona plünderte die CNT die Waffendepots und bewaffnete ebenfalls die Arbeiterklasse und konnte so, zusammen mit der treu gebliebenen lokalen Polizei (Guardia de Asalto), den Aufstand noch am 19. Juli niederschlagen.

Der Autonomiepräsident Lluís Companys hatte zuvor die Bewaffnung der Massen kategorisch abgelehnt. Der eingeflogene nationalistische General Goded hätte eigentlich siegreich durch Barcelona marschieren sollen. Stattdessen wanderte er ins Gefängnis und wurde wenige Wochen später hingerichtet. Die Anarchisten stürmten außerdem zwei Kasernen: San Andrés und Atarazanas.

Republikanische Truppen kämpfen zusammen mit der Guardia de Asalto gegen die Aufständischen in Barcelona (Juli 1936)

Während in Barcelona die Anarchisten die Kontrolle über die Stadt und die katalanische Autonomie hielten, waren es in Madrid die Sozialisten und Kommunisten. Die Putschisten rechneten mit dem stärksten Widerstand in der Hauptstadt und sie täuschten sich nicht. In der Kaserne Montaña wartete der umziegelnde General Fanjul auf Verstärkung.

Milizen stürmten die Kaserne und richteten ein Massaker an, da die Nationalisten die Bolzen für den Großteil der 65 000 Gewehre nicht aufgeben wollten. Madrid konnte in republikanischer Hand bleiben. Um den Vormarsch von Molas Truppen zu stoppen, machten sich die Milizen in das Guadarrama Gebirge auf.9Graham, Helen: The Spanish Republic At War 1936 – 1939. Cambridge, 2002, S. 93

Der Putsch wird zum Krieg

Während die Nationalisten im Süden Spaniens wichtige Städte einnehmen konnten, kamen sie nicht mit der gewünschten Geschwindigkeit voran. Der Vormarsch gelang ihnen lediglich im konservativen Norden von Madrid, sowie in Galicien, Leon, Navarra, Aragón, einem Teil von Asturien und dem Baskenland.

Wie Paul Preston feststellte, entspricht dies mehr oder weniger auch dem Wahlverhalten der Spanier. Die Nationalisten triumphierten in den konservativen Regionen, während die republiktreuen Gebiete eher in Hand der linken Hochburgen blieben.10Preston, Paul: The Spanish Civil War. New York, 2006, S. 102

Für die Putschisten kam erschwerend hinzu, dass General José Sanjurjo am 20. Juli bei einem Flugzugabsturz ums Leben kam. Er sollte aus dem portugiesischen Exil zurückkehren und den Staat übernehmen. Daher mussten die Rebellen einen neuen Plan finden: Am 24. Juli 1936 riefen sie eine Gegenregierung aus: Die Junta de Defensa Nacional. Der gescheiterte Putsch entwickelte sich zu einem Bürgerkrieg.

Situation im Juli 1936:
Die Nationalisten (braun) konnten Boden im Norden gut machen, jedoch im Süden nur wenige Städte nehmen.
Foto: Nerika (CC BY-SA 3.0)