Vencer no es convencer: Miguel de Unamunos unerwarteter Monolog gegen den Faschismus

Der Universitätsrektor von Salamanca, Miguel de Unamuno, wird nicht nur wegen seiner Bücher in Erinnerungen bleiben, sondern auch aufgrund seines unerwarteten Monologs gegen den Faschismus: Vencer no es convencer – gewinnen heißt nicht überzeugen. Dieser Satz war auch Ausdruck einer kompletten Fehleinschätzung der Situation zu Beginn des Bürgerkrieges.

Miguel de Unamuno während einer Konferenz im Jahre 1932

Als ein Teil der spanischen Armee im Juli 1936 gegen die Regierung putschte, wurde am 19. Juli 1936 auf der Plaza Mayor in Salamanca das Kriegsrecht ausgerufen. Die Putschisten nahmen die Stadt ohne großen Widerstand ein. Lediglich auf der Plaza gab es ein paar Schüsse und Tote. In einem Café unweit des Geschehens setzte sich der bekannte Schriftsteller und Philosoph Miguel de Unamuno und beobachtete das Spektakel. Obwohl er einen ruhigen Eindruck machte, freute er sich über den Schlag gegen die linke Regierung der Republik.1Salcedo, Emilio: Vida de Don Miguel. Salamanca 1970, S. 406

Miguel De Unamuno leitete die Universität von Salamanca und zählte zu einem der führenden Intellektuellen des Landes. Er wurde “Don Miguel” gerufen und unterrichtete griechisch. Seine Person war jedoch nicht unumstritten: Kaum jemand hatte seine Meinungen und Haltungen so oft geändert wie er. Geboren 1864 in Bilbao, gehörte Don Miguel zu der Generación del 98. Deren Vertreter glaubten, “dass nur ein regeneriertes Spanien, das auf der kastilischen Geschichte und den kastilischen Werten basiert, aufsteigen und seinen Status als großes Land zurückgewinnen könnte.”2Jensen, Geoffrey R.: Jose Millan-Astray and the Nationalist ‘Crusade’ in Spain. in: Journal of Contemporary History, Vol. 27, No. 3/1992, S. 425

Der Rückschritt Spaniens im Vergleich zu den anderen europäischen Mächten verärgte Unamuno. Als stolzer Baske (er hatte über die baskische Sprache promoviert) und leidenschaftlichen Spanier sah er das Zentrum Spaniens in Kastilien und im Christentum.3Nonzick, Martin: Miguel de Unamuno. New York 1971, S. 25 – 31 Es verwundert daher kaum, dass die Werke des Basken bei den späteren Nationalisten so beliebt waren. Francisco Francos Ehefrau Carmen Polo war etwa eine große Verehrerin von Unamuno.

Generación del 98

Eine Analyse der Generación del 98 ist jedoch nicht so einfach, wie sie auf den ersten Blick scheint: Nach dem Verlust der letzten großen Kolonien im Jahre 1898 waren die Intellektuellen “[i]m Grunde […] besorgt über die tiefe Krise, die sie in […] Spanien wahrnahmen, und suchten nach Mitteln zur ‘Regeneration’, die eher spiritueller als materieller Natur waren.”4Jensen, Geoffrey R.: Recepción literaria y cultura bélica: la generación del 98, Ricardo Burguete y el nacionalismo militar en España. in: Bulletin of Spanish Studies: Hispanic Studies and Researches on Spain, Portugal and Latin America. 84:7, 2007, S. 872 Es handelte sich mehr um einen “nationalistischen Kulturismus”, der auf den großen Werke der spanischen Literatur wie Miguel Cervantes aufbaute. Politisch standen die Vertreter mehr dem Sozialismus und Anarchismus nahe als der Monarchie. Einige Historiker und Literaturwissenschaftler gehen sogar davon aus, dass es sich bei der Katastrophe von ’98 mehr um eine kulturelle als politische Krise handelte.5Comellas, José Luis: Del 98 a la Semana Trágica 1898 – 1909 – Crisis de conciencia y renovación política. Madrid 2001, S. 67

Christlicher Sozialismus

In seiner Jugendzeit sympathisierte Unamuno mit sozialistischen Strömungen. 1894 trat er der Agrupación Socialista in Bilbao bei, verließ sie jedoch drei Jahre später wieder. Die antiklerikalen Tendenzen störten ihn zunehmend. “Ich träume davon, dass der Sozialismus zu einer echten religiösen Reform werden kann, wenn der marxistische Dogmatismus verblasst, so dass er zu etwas mehr als nur Wirtschaft wird”.6Nonzick, Martin: Miguel de Unamuno. New York 1971, S. 74

Das Christentum reduzierte Don Miguel nicht auf eine Religion, sondern verstand es “als Ausdruck einer Zivilisation unter den Spaniern, eine Politik der Ordnung und Versöhnung”.7Ortega y Gasset, Eduardo: Monodiálogos de Miguel de Unamuno. New York 1958, S.242 In seinem Essay Mi religión (1907) schrieb der gläubige Christ: “Ich betrachte jeden als Christen, der den Namen Christi mit Respekt und Liebe anruft, und ich bin abgestoßen von den Orthodoxen, ob Katholiken oder Protestanten – letztere sind oft genauso unnachgiebig wie erstere -, die das Christentum denen verweigern, die das Evangelium nicht so interpretieren wie sie es tun”8Marias, Julian: Miguel de Unamuno. Buenos Aires 1950, S. 150f

Am Ersten Weltkrieg nahm Spanien nicht teil, doch Unamuno macht keinen Hehl aus seiner Unterstützung der Allierten, wohlwissend, dass König Alfonso XIII. mit dem Deutschen Reich sympathisierte. Nach dem Militärputsch von General Primo de Rivera im Jahr 1923 konnte sich der Baske mit seiner Kritik am neuen Militärregime und dem schwächelnden König nicht zurückhalten. Dafür wurde er im Februar 1924 ins Exil nach Fuerteventura geschickt.

Der enttäuschte Republikaner

Als am Horizont ein Sturz der Monarchie zu sehen war, kündigte Unamuno an, bei den Kommunalwahlen am 12. April 1931 für ein sozialistisch-republikanisches Wahlbündnis zu kandidieren. Zwei Tage später rief er in Salamanca die zweite spanische Republik aus. Mit der neuen Staatsform, so hoffte er, könnte Spanien die andauernde Krise endlich bewältigen und demokratisch zu neuer Stärke gelangen. Von der republikanischen Übergangsregierung wurde er wieder zum Rektor der Universität von Salamanca ernannt.9Nonzick, Martin: Miguel de Unamuno. New York 1971, S. 101 – 111

Ab Mai 1931 war Don Miguel als Abgeordneter in Madrid tätig. Die vielen Streitigkeiten, wie etwa um das katalanische Estatut, erschöpften ihn jedoch zunehemend.

“Ich weiß, dass die naiven Spanier, die per Volksabstimmung für irgendein Regionalstatut stimmen, Buße tun müssen, dass diejenigen, die Individualität haben, sich ihrer Stimme bewusst sind, wenn die Region sie unterdrückt, und dass sie nach Spanien gehen müssen, in das integrale Spanien, in das geeinteste und unteilbarste Spanien, um ihre Individualität zu schützen”.10 Salcedo, Emilio: Vida de Don Miguel. Salamanca 1970, S. 355
Miguel de Unamuno
am 23. August 1931 in El Sol

Die Uneinigkeit der Spanier machte sich auch im Parlament bemerkbar. Dies frustrierte Unamuno. Zwar glaubte er weiterhin an die republikanische Staatsform, jedoch wurde ihm bewusst, dass der Status Quo die Spanier nicht einen und zu neuer Stärke führen werde.

Er verbitterte über die Jahre, das auch einigen Todesfällen im näheren Familienumkreis geschuldet war. Nach dem er sich mit der Zeitung El Sol überworfen hatte, musste er sich ein neues Medium für seine Artikel suchen. Von linken und rechten Parteien wurde der selbsternannte “alte Liberale” angegriffen. In seiner Wortwahl wurde er immer harscher: So soll er nach dem Putsch angeblich den Selbstmord als “patriotischen Akt” des linksrepublikanischen Präsidenten Manuel Azaña gefordert haben.11Salcedo, Emilio: Vida de Don Miguel. Salamanca 1970, S. 369 – 388 & 407

Unterstützer der Rebellion

Als die faschistische Falange 1935 eine Kundgebung in Salamanca abhielt, konnte ein Treffen des Gründers und Diktatorensohn José Antonio Primo de Rivera und Don Miguel in dessen Büro vereinbart werden. Die Faschisten versuchten ihn für ihre Zwecke zu gewinnen, doch der gealterte Universitätsrektor lehnte ab. Im Verlauf des Gespräch wurde der Unterschied zwischen de Unamunos leidenschaftlichem Patriotismus und dem fanatischen Nationalismus der Falange deutlich.

Während Don Miguel die Wichtigkeit des Geistes und der Kultur betonte, die den Mensch in das Zentrum stellt, sprach Primo de Rivera von “eine[m] unzerstörbaren Glauben an Spanien und an die spanische Sprache.” Außerdem lobten die Faschisten den Basken für seine Haltung gegen die spanischen Regionalismen. Dabei ging es Unamuno mehr darum, dass etwa Katalonien und das Baskenland “ihren Geist in das Kastilische einbringen.”12Salcedo, Emilio: Vida de Don Miguel. Salamanca 1970, S. 389f & 355

Nach dem Wahlgewinn der Frente Popular im Jahr 1936, glaubte Don Miguel, dass sich Spanien “kurz vor dem Tod” befand und der Marxismus die Bürger gespalten habe.13Nozick, Martin: Miguel de Unanumo. New York 1971, S. 120 Er begrüßte den Staatsstreich im Juli 1936, in der Hoffnung, dass die Republik grundlegend reformiert und damit die weltliche und christliche Zivilisation gerettet werden könne. “Er interpretierte [den Putsch] als eine flüchtige politische Episode, als eine von vielen militärischen Äußerungen”14Ortega y Gasset, Eduardo: Monodiálogos de Miguel de Unamuno. New York 1958, S.241, schreibt Eduardo Ortega y Gasset. Solche Episoden gab es zu Lebzeiten von Unamuno reichlich.

Sein Biograph Emilio Salcedo geht schlichtweg davon aus, dass Unamuno die Situation in einer äußerst naiven Weise falsch einschätzte.15Salcedo, Emilio: Vida de Don Miguel. Salamanca 1970, S. 406f

“Es ist von einem Krieg der Ideen die Rede, aber in diesem Krieg gibt es keine Ideen, über die man diskutieren könnte. Es geht darum, einen Tyrannen zu besiegen. […] In Spanien gibt es eine Epidemie des Wahnsinns. Wir stehen vor einer Welle von Zerstörung, Mord und Verbrechen aller Art. Die Kommunisten hatten nie eine Vorstellung von konstruktiver Politik. Die Anarchisten ihrerseits wurden nicht einer solchen Idee beraubt. Diese Männer werden mit wütendem Delirium angegriffen. Vielleicht ist es eine Krise der Verzweiflung.”16 Salcedo, Emilio: Vida de Don Miguel. Salamanca 1970, S. 409
Miguel de Unamuno
im Gespräch mit Le Matin im Sommer 1936

Die Zweifel kommen auf

Noch am 26. September unterzeichnete Don Miguel eine Erklärung der Universität von Salamanca, die die Intellektuellen Europas und der Welt zur Unterstützung der Rebellen aufforderte. Wenige Tage später wurde Franco zum Caudillo ernannt und errichtete sein Hauptquartier in Salamanca. Er empfing Unamuno regelmäßig, der nun vor einer schwierigen Aufgabe stand: Als Rektor stand er der comisión depuradora (Reinigungskomission) vor, in der er darüber zu entscheiden hatte, ob Akademiker und Lehrer aufgrund ihrer politischen Aktivitäten denunziert werden sollen oder nicht.

Die Entscheidung über Leben und Tod nagte an dem 72-jährigen Don Miguel. Täglich bekommt er Briefe von Familien und Freunden der betroffenen Akademiker, die ihn darum baten, diesen und jenen zu verschonen. Auch Freunde und Bekannte von Unamuno fielen zum Opfer der Nationalisten, wie etwa der Sozialist José Andrés y Manso oder ein evangelischer Priester. Als dieser noch im Gefängnis war, übergab dessen Frau einen Brief an Don Miguel. Darin erklärte sie ihm, warum ihr Mann Freimaurer ist und bat den Universitätsrektor dies den Militärs zu erklären, bevor es zu spät sei.17 Salcedo, Emilio: Vida de Don Miguel. Salamanca 1970, S. 411f

Außerdem wurde ihm bewusst, dass die Rebellen, die er für die Retter Spaniens hielt, von den deutschen Nationalsozialisten und dem faschistischen Italien unterstützt wurden – zwei Regime, die er in der Vergangenheit aufs Schärfste kritisiert hatte.18Nozick, Martin: Miguel de Unanumo. New York 1971, S. 121

Día de la Raza

Als geachteter Rektor und Intellektueller wurde Unamuno am 12. Oktober, dem Día de la Raza, zu der feierlichen Zeremonie anlässlich der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus an seiner Universität eingeladen. Neben ihm nahmen unter anderem auch Carmen Polo, General José Millán-Astray und der katalanische Bischof Enrique Plá y Daniel teil.19Saceldo, Emilio: Vida de Don Miguel. Salamanca 1970, S. 413

General Millán-Astray stand wie keine andere Person für die Schrecken des Krieges: Der linke Arm wurde ihm amputiert und das rechte Auge ausgeschossen. Sein Gesicht war von einer Augenklappe und schlechten Zähnen gekennzeichnet. Als Gründer der spanischen Legion war Millán Astray ein enger Vertrauter Francos und ein fanatischer Militär.

Als der erste Redner vor den hunderten Falangisten und Legionären zu sprechen begann, zog Unamuno den Brief der Pastorenwitwe aus seinem Jacket. Darauf machte er sich mit einem Bleistift stichpunktartige Notizen. Nach dem der Applaus des letzten Redners verhallte, stand de Unanumo auf und ging Richtung Rednerpult.

“Das Gesagte zu rekonstruieren ist eine fast unmögliche Aufgabe”, schreibt der Unamuno Biograph Emilio Saceldo.20Saceldo, Emilio: Vida de Don Miguel. Salamanca 1970, S. 414 Daher beziehe ich mich im Folgenden auf die Version von Rafael Núñez Florencio.21Núñez Florencio, Rafael: Encontronazo en Salamanca: “Venceréis pero no convenceréis“. in: La Aventura de la Historia, Vol. 184/2014, S. 37

Venceréis pero no convenceréis: Ihr werdet siegen, aber nicht überzeugen

“[…] Schweigen bedeutet manchmal Zustimmung, weil die Stille als Zeichen des Einverstandenseins interpretiert werden kann. Ich hatte gesagt, dass ich nichts sagen will, weil ich mich kenne. Aber ich muss es loswerden. Man hat hier von einem internationalen Krieg für die Verteidigung der christlichen Zivilisation gesprochen. Ich habe es selbst an anderer Stelle getan. Aber das hier ist unser unzivilisierter Krieg und kein guerra civil. Ich wurde in einen Bürgerkrieg hineingeboren, ich weiß wovon ich rede.

Vencer no es convencer – Siegen heißt nicht überzeugen und letzteres muss man vor allem tun. Man kann aber den Hass nicht überzeugen an seine Stelle die Liebe zu lassen. Dieser Hass richtet sich auf die Intelligenz, die kritisch und neugierig ist, die differenziert. Man hat hier von Katalanen und Basken gesprochen und als ‘Antispanier’ bezeichnet. Na gut, mit denselben Gründen könnten sie auch über andere sprechen. Und hier sitzt der Herr Bischof aus Katalonien, der euch das Christentum lehrt, das ihr nicht kennenlernen wollt. Und hier bin ich, ein Baske, der euch sein ganzes Leben lang die spanische Sprache lehren wollte, die ihr nicht kennt. Das hier ist mein Imperium, die spanische Sprache und nicht…”

Ein erregter Millán-Astray versuchte Unamuno mehrmals mit einem “Darf ich sprechen?” zu unterbrechen. Nun schlug er mit seinem einzigen Arm auf den Holztisch, so dass das dumpfe Geräusch durch den Saal hallte. Der General richtete ein paar Worte an das Publikum und verteidigte die Motive der Nationalisten. Schließlich verlor er die Kontrolle und brüllte: “Tod den Intellektuellen” oder “Tod der Intelligenz”.22Über die genaue Wortwahl herrscht Uneinigkeit. Einige gehen auch von dem Satz “Tod den verräterischen Intellektuellen.” aus Außerdem schmetterte er dem Publikum den Titel des Legionärsliedes “Viva la muerte” entgegen. Die Blauhemden antworteten mit einem lauten: “Viva!”. De Unamuno fährt fort:

“Ich habe soeben ‘Es lebe der Tod’ gehört. Das hört sich nach ‘Es sterbe das Leben’ an. Und ich, der sein ganzes Leben damit verbracht hatte, Paradoxe zu bilden, die diejenigen ärgerten, die sie nicht verstanden, ich sage euch, als jemand der von der Materie etwas versteht, dass dieses Paradox mir lächerlich und abstoßend vorkommt. In einer exzessiven und gewundenen Form war dies der Ausspruch des Redners, der selbst für ein Symbol des Todes Zeuge steht.

Der General Millán-Astray ist ein Kriegsinvalide. Es ist nicht schön, das in einem leisen Ton zu sagen. Auch Cervantes war ein Invalide. […] Unglücklicherweise gibt es heute zu viele Invalide in Spanien und bald wird es noch mehr geben, wenn Gott uns nicht hilft. Mich schmerzt der Gedanke, dass der General Millán-Astray die Normen der Massenpsychologie diktieren könnte. Ein Invalide, dem der große Geist eines Cervantes fehlt, wird sich erträglicher fühlen, wenn er sieht, wie sich die Verstümmelten um ihn häufen. Der General Millán-Astray ist kein auserwählter Geist: Er will ein neues Spanien schaffen, nach seinem eigenen Bild. Für das möchte er ein verstümmeltes Spanien sehen, wie er zu verstehen gab.

Das hier ist ein Tempel des Intellekts und ich bin ihr oberster Priester. Ihr entweiht seinen ehrwürdigen Campus. Es stimmt der Ausspruch: Ich war immer Prophet meines eigenen Landes. Ihr werdet gewinnen, aber ihr werdet nicht überzeugen. Ihr werdet gewinnen aufgrund eurer brutalen Stärke, aber ihr werdet nicht überzeugen, weil euch etwas in diesem Kampf fehlt: nämlich Vernunft und Recht. Es scheint mir unnötig euch darum zu bitten, ihr, die an Spanien denkt.”

Nach diesen Worten wurde der Saal zunehmend unruhiger. Miguel Unamuno wurde ausgebuht und als Verräter beschimpft. An der Seite des Rednerpults gruppierten sich einige Legionäre um Millán-Astray. Dessen Bodyguard zielte mit einem Maschinengewehr auf den Universitätsrektor. Zur Rettung kam dem Basken schließlich Carmen Polo, die ihm ihre Hand schützend ausstreckte. Millán-Astray gab dem Rektor zu erkennen, dass er ihr die Hand geben soll. Polo half dem gebrechlich Rektor schließlich von der Bühne zu verschwinden, während der Saal tobte und weiter schimpfte.23Thomas, Hugh: The Spanish Civil War. New York 1989, S. 488

Der Monolog bildet de Klimax des Films “Mientras Dure La Guerra” (2019) von Regisseur Alejandrio Amenábra

Tod im Hausarrest

Am Eingang der Universität stand bereits ein Auto bereit, das Unamuno nach Hause bringen sollte. Am Nachmittag ging er wie gewohnt in sein Casino, in dem er Ehrenpräsident war. Hinter vorgehaltener Hand sprach man über den Vorfall am Morgen. Doch bald wurden die Stimmen lauter, man möge den roten Verräter aus dem Casino schmeißen. Der Tumult wurde größer und schließlich sagte Tomás Marcos Escribiano zu de Unamuno: “Sie hätten nicht kommen sollen, Don Miguel. Es tut uns leid, was heute in der Universität passiert ist, aber Sie hätten heute Nachmittag nicht ins Kasino kommen sollen.” 24Saceldo, Emilio: Vida de Don Miguel. Salamanca 1970, S. 416

Bewaffnete Soldaten bewachten fortan rund um die Uhr das Haus von Unamuno. Sie folgten ihm auf Schritt und Tritt. Daher zog er sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Schließlich wurde ihm der Rektorenplatz an der Universität aberkannt und viele seiner Bücher verschwanden nach und nach aus den Bibliotheken. Im Hausarrest starb der große spanische Intellektuelle Miguel de Unamuno am 31. Dezember 1936. Seine Hoffnung, dass sich am Ende der gesunde Menschenverstand durchsetzen möge, wurde nicht erfüllt.25Saceldo, Emilio: Vida de Don Miguel. Salamanca 1970, S. 417f