Kat-Info: Gegen spanische Repression und katalanische Missverständnisse

Spätestens seit dem Unabhängigkeitsreferendum im Oktober 2017 ist das Medieninteresse an Katalonien außerhalb des spanischsprachigen Raums gewachsen. Um den Konflikt zwischen dem spanischen Staat und der Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien zu verstehen, ist man früher oder später auf spanische oder katalanische Medien und Organisationen angewiesen. An dieser Stelle setzt Kat-Info (Katalonien Information – Organisation) an. Gegründet wurde das Kollektiv vor einem Jahr von Lluís Lipp und Felix Betzenbichler.

“Aus dem Konflikt mit Katalonien habe ich gelernt, dass man nicht immer auf Informationen vertrauen kann und es immer zwei Seiten gibt”. Lluís Lipp

Als geborener Katalane fühlt sich Lipp der katalanischen wie auch der spanischen Kultur verbunden. “Als Nachkomme von Exil-Republikaner*innen sehe ich es als meine Pflicht an, als Antifaschist gegen jede Form der Repression Widerstand zu leisten”, erklärt der in Wien lebende Kulturschaffende im Gespräch mit Alerta. Daher war er schockiert über die Gewalt, mit der gegen die Katalan*innen am 01. Oktober 2017 vorgegangen wurde.

“Das kann doch nicht die einzige Antwort auf die Forderung von 75% der Katalanen sein, die mehr Selbstbestimmung wollen”, sagt Lipp. “Es stimmt mich traurig, dass es wohl unmöglich ist, dass jemals ein Katalane oder eine Katalanin in der Moncloa sitzt. Es scheint als gebe es verschiedene Klassen von Spanier*innen, wie so manche Gefängnisstrafen beweisen.”

Gründung von Kat-Info

Felix Betzenbichler kam mit der katalanischen und spanischen Kultur zufällig in Berührung: Seine Freundin kommt aus Katalonien und nachdem die beiden zusammengezogen waren, hat er den Konflikt rund um das Unabhängigkeitsreferendum vor Ort bekommen.

“Ich war auf Demonstrationen und habe mich mit vielen Leuten unterhalten. Da bin ich quasi reingerutscht”, sagt Betzenbichler rückblickend. Viele Informationen zu den Hintergründen hatte er jedoch nicht, gibt er zu. “Ich war schockiert wie wenig ich darüber wusste.” Das liege auch an der Tatsache, dass es wenig Informationen zu dem Thema in deutscher Sprache gibt.

Bevor Lipp und Betzenbichler jedoch Kat-Info gründeten, waren sie in verschiedenen linken, antikapitalistischen und republikanischen Initiativen aktiv – sowohl im digitalen Raum, als auch offline. Während dieser Zeit entstand die Idee, eine eigene offene Plattform zu erstellen, die primär als Informationsquelle über Katalonien dienen soll.

Medien zwischen den Wahrheiten

“Viele deutsche Medien sehen Katalonien durch eine Madrider Brille,” sagt Felix Betzenbichler, der selbst im Medienbereich tätig ist. Ein große Anzahl von Korrespondent*innen arbeiten von Madrid aus oder beziehen ihre Informationen von den spanischen Nachrichtenagenturen, die ebenfalls ihren Sitz in der spanischen Hauptstadt haben. Zudem sind viele nicht mit der katalanischen Sprache vertraut. Darunter leide die katalanische Perspektive, argumentiert Betzenbichler. Lipp stimmt ihm dabei zu: “Aus dem Konflikt mit Katalonien habe ich gelernt, dass man nicht immer auf Informationen vertrauen kann und es immer zwei Seiten gibt.”

Kritisiert die oft einseitige Berichterstattung der deutschen Medien über Katalonien: Felix Betzenbichler

Damit es an der Sprachbarriere zum Spanischen oder Katalanischen nicht scheitert, postet Kat-Info in deutscher Sprache auf Facebook und ihrer Homepage: Egal ob Artikel deutscher Medien oder auch Übersetzungen spanischer oder katalanischer Inhalte. Somit sollen die Leser*innen Beweggründe besser verstehen und die Informationen besser kontextualisieren. Darüber hinaus bieten Lipp und Betzenbichler auch eigene Inhalte in Form von Podcasts und Videos an.

So veröffentlichte Kat-Info vor kurzem ein Interview mit der Bundestagsabgeordneten Żaklin Nastić (Die LINKE), die sich mit dem Konflikt in Katalonien näher beschäftigt hat und es skandalös findet, dass die EU fast komplett dazu schweigt.

Selbstbestimmung und Solidarität

“Prinzipiell erwarten wir von niemandem, für die Unabhängigkeit Kataloniens Partei zu ergreifen. Es ist uns aber ein Anliegen, dass die Menschen wenigstens versuchen zu verstehen, worum es den Unabhängigkeitsbefürwortern geht”, sagt Lipp. Das sei jedoch nur möglich, wenn man sich den Themen differenziert nähert, gibt Felix Betzenbichler zu bedenken. Das heißt auch, dass sich Kat-Info kritisch mit den Inhalten linker Parteien und Organisationen auseinandersetzt.

Für die Zukunft hoffen beide, dass sie ihr Netzwerk weiter ausbauen und auch auf internationaler Ebene mehr Kooperationen eingehen können. Außerdem wollen sie mehr eigene Inhalte für Kat-Info produzieren und Veranstaltungen organisieren. Aufgrund der Pandemie gestaltet sich letzteres aktuell schwierig: “Wir hatten für den März zusammen mit anderen Kollektiven eine große Veranstaltung in Wien geplant. Diese mussten wir leider absagen. Dennoch wollen wir in Zukunft mehr solche Veranstaltungen mit anderen Organisationen, Initiativen und Kollektiven durchführen”, sagt Lipp.

Ziel sei es, eine gemeinsame Solidarfront aufzubauen. Daher ist auch jeder solidarische Mensch bei Kat-Info willkommen, bestätigt Felix Betzenbichler. Man müsse sich nur über Facebook oder die Homepage melden.