“Solidarität umsetzen” – Die Internationale Woche der Solidarität mit anarchistischen Gefangenen

In dieser Woche solidarisieren sich weltweit verschiedene ABC-Gruppen1Anarchist Black Cross unterstützt anarchistische Gefangene mit den Anarchist:innen in Gefängnissen. “Wir können durch revolutionäre Liebe und direkte Aktionen auch die Feuer in den Herzen der Inhaftierten am brennen halten”, heißt es von der Internationalen Woche der Solidarität mit anarchistischen Gefangenen. Im Gespräch mit Alerta erklären die Initiator:innen um was es ihnen geht und was jede:r Einzelne dabei tun kann.

Logo der Internationalen Woche der Solidarität

Warum gibt es die Internationale Woche der Solidarität mit anarchistischen Gefangenen?

Die Idee entstand aus der Diskussion zwischen verschiedenen ABC-Gruppen in Osteuropa. Eines der Probleme war, dass es viele regelmäßige Repressionen gab und immer wieder zu vereinzelten Tagen der Solidarität für verschiedene Anarchist:innen in bestimmten Regionen aufgerufen wurde. Viele von den Anarchist:innen werden auch gar nicht in den Listen der politischen Gefangenen von liberalen und linken Organisationen aufgeführt, da diese nur gewaltfreie Aktivist:innen unterstützen. So haben wir gemeinsam mit verschiedenen ABC-Gruppen in der ganzen Welt die Internationale Woche der Solidarität ausgerufen um konzentriert auf das Thema Solidarität und Unterstützung von anarchistischen Gefangenen aufmerksam zu machen. Dies tun wir regelmäßig seit 2013.

Wie macht ihr konkret auf dieses Thema aufmerksam?

Wir organisieren keine Veranstaltungen selber. Stattdessen mobilisieren wir Gruppen, die dann die Organisation vor Ort übernehmen. Dazu verbreiten wir Aufrufe, erstellen Listen von Gefangenen, produzieren Postkarten und Videos. Wir stellen das online für jede:n zur Verfügung, damit wirklich alle mitmachen können. Das erleichtert die Organisation. Wir haben jedoch auch direkten Kontakt zu vielen ABC-Gruppen, die diese Woche in ihren Ländern aktiv sind.

Kann man grob sagen wie viele Organisationen aus wie vielen Ländern mitmachen?

Das ist tatsächlich sehr schwer zu beantworten. Zum einen ist die Dynamik relativ unterschiedlich. 2018 hatten wir beispielsweise Gruppen aus mindestens 16 Ländern. Ein Jahr darauf waren es nur noch neun. Diese Zahlen berufen sich jedoch auf die Berichte der einzelnen Gruppen, die uns zugeschickt werden. Werden keine Berichte geschickt, wissen wir leider auch nicht, ob die Aktionen stattfanden. Zudem haben wir letztes Jahr versucht Veranstaltungen auch online abzuhalten. Das ist jedoch schwierig aufgrund von Sprachbarrieren. Im Organisationsteam haben wir etwa niemanden der spanisch, griechisch oder französisch spricht. Und als letzter Punkt ist noch anzumerken, dass das Repressionsniveau in den Ländern unterschiedlich ist. Wenn es weniger Repressionen gegen Gefangene gibt, dann ist das Thema natürlich weniger präsent.

Was kann man als Einzelne:r tun um die anarchistischen Gefangenen zu unterstützen?

Man kann einiges tun: Wenn man in der Nähe eines Gefängnisses wohnt, kann man die Gefangenen vor Ort besuchen. Außerdem kann man Briefe oder Postkarten schreiben, in denen man den Genoss:innen ein paar Wünsche und Umarmungen mitgibt. Man darf auch die Angehörigen der Gefangenen nicht vergessen! Für viele Familien waren die Aktivist:innen die einzige Einkommensquelle und somit von ihnen abhängig. Daher ist es immer eine tolle Sache, wenn man die Angehörigen unterstützen kann. Außerdem kann man, wenn man in einer anarchistischen Gruppe aktiv ist, eine:n Gefangenen “adoptieren” und ihm oder ihr regelmäßig Unterstützung zukommen lassen. Oder man hilft frisch entlassenen Aktivist:innen. Insgesamt gilt: Die Formen der Solidarität sind nur durch die eigene Fantasie begrenzt! Die Solidaritätswoche ist also der perfekte Zeitpunkt, um die Solidarität in die Tat umzusetzen.