Umweltsünde Hotel “El Algarrobico”

Es sind nur 14 Meter bis zum Meer. 21 Stockwerke mit 411 Zimmer bieten einen dementsprechenden Ausblick. Diese Tatsache hätte sich in jeder Hotelwerbung gut gelesen. Nur war der Bau der besagten Hotelanlage am Strand El Algarrobico in Almería illegal. Als Rohbau steht die Anlage bis heute.

Illegaler Rohbau “Hotel Algarrobico” mit nur 14 Metern zum Strand
Untipografico/CC BY 2.0

Für Greenpeace ist der weiße Monsterbau ein Symbol der Zerstörung der spanischen Küste. Mehrere Urteile geben ihnen Recht. Im Jahr 2006 hatte Richter Jesús Rivera vom obersten spanischen Gericht den Bau für illegal erklärt. Diese Entscheidung war Rivera leicht gefallen – schließlich wurden Bebauungspläne unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne Rechtsgrundlagen geändert. In dem Gebiet des Naturparks Cabo de Gata-Nijár darf nämlich nichts gebaut werden, dafür sorgt die ausgeschriebene Zone C1. Doch irgendjemand der Junta de Andalucía hatte den Plan 1997 geändert und die Zone zu D2 geändert, in der urbanisiert gebaut werden darf. Schließlich stimmten alle vier notwendigen Institutionen dem Bau zu, der 2003 begonnen wurde.

Verwaltungen ohne Plan

Ein lang gehegter Plan konnte somit umgesetzt werden: Schon Ende der 80er Jahre wollte das Rathaus von Carboneras ein Hotel an der Küste des Strandes Algarrobico bauen. Doch der Generaldirektor der Küste erteilte dem vorgelegten Plan eine Abfuhr und riet, das geplante Hotel zu relokalisieren mit mindestens einhundert Metern Abstand zur Küste. Sonst verstöße es gegen das “Ley de Costa”, das kurz vor der Verabschiedung stand. Anstatt die Pläne zu überdenken, versuchte das Rathaus kurzerhand die Verteilung der Genehmigungen zu beschleunigen, um das Hotel doch noch wie geplant bauen zu können. Ohne Erfolg: Das “Ley de Costa” hatte nämlich rückwirkenden Charakter. Erschwerend kam hinzu, dass 1994 der Strand El Algarrobico dem Naturpark von Cabo de Gata-Níjar eingeschlossen wurde. Daher war auch die Fälschung der Karte notwendig.

Als der Bau vor das oberste spanische Gericht kam, argumentieren die Verantwortlichen, dass man auf dem originalen Plan nur wenig erkennen könne. Der Bau der Hotelanlage El Algarrobico wurde für illegal erklärt und gestoppt. So einfach wollen sich die Verantwortlichen des Rathauses von Carboneras und des Trägers Azata del Sur jedoch nicht geschlagen geben. Mit Unterstützung der Junta de Andalucía kam es in den Jahren darauf zu weiteren Gerichtsverhandlungen, so dass ein Abriss bis heute erfolgreich verhindert werden konnte, obwohl über 20 Urteile vorliegen, die die Illegalität des Baus bestätigten.

“Abriss jetzt”

Vor allem Umweltverbände kämpfen für den sofortigen Abriss des Hotels. Dieser könnte sogar rentabel sein, wie aus einer Studie von Greenpeace und dem Architektenbüro n’Undo hervorgeht. 400 Arbeitsplätze könnten geschaffen werden und bis zu 98 % des Materials ließe sich recyceln. Die Kosten von ungefähr 7,3 Millionen Euro würden auch deutlich geringer ausfallen, wie die Junta prophezeit hatte. Diese rechnet mit bis zu 300 Millionen Euro.

Bis heute steht also der Rohbau der Hotelanlage El Algarrobico. Aktivist*innen von Greenpeace haben sie nur etwas “verschönert”: Von der Ferne kann man nun schwarz auf weiß lesen: Hotel Ilegal.