Der “bayerische Robin Hood”: Matthias Klostermayer

“Bin’s I da boarisch Hiasl, koa Jaga hod die Schneid,
der mir mei Federl und Gamsbart vom Hiadl obakheit.”

Wer nach Geschichten vom “edlen Räuber” sucht, der im Wald lebt, die Reichen überfällt und das Geld an die Armen verteilt, der muss nicht bis in den Sherwood Forest. In Bayern gibts eine lange Tradition von Sozialrebellen, Gesetzlose mit erbittertem Gerechtigkeitssinn, die in ihrem einsamen Kampf um ein selbstbestimmtes Leben die Staatsmacht zur Verzweiflung bringen und dafür von den einfachen Leuten als Volkshelden verehrt werden. Da boarische Hiasl ist wohl einer der ersten, sicher aber der bekannteste bayerische “Räuber”.

Zahlreiche Legenden erzählen die Geschichte des Matthias Klostermayers

Matthias Klostermayer, 1736 in Kissing geboren, führt ein anständiges Leben, bis er mit 25 Jahren, zuerst wegen eines Spottgedichts, dann wegen einer Liebschaft, seinen Lebensunterhalt als Jagdgehilfe und Knecht verliert. Da Klostermayer ein ausgezeichneter Jäger ist, ihm diese Anstellung aber von Amtswegen verboten wird, schlägt sich der junge Mann mit illegaler Wilderei als Wildschütz durch. Das macht ihn bei den einfachen Bauern beliebt, denn Wildschützen halten unliebsames Wild von den Äckern fern. Außerdem wird das Verbot der Wilderei durch die Herrschenden als generelle Ungerechtigkeit empfunden, im Verständnis der kleinen Leute ist der Wald für alle da. Wilderer wie Klostermayer werden zu Symbolen trotzigen Widerstands.

Da der boarische Hiasl den Rückhalt und die Unterstützung der Bevölkerung hat, kann er mehrere Jahre sein freies Wildererleben führen, ohne dass ihn die Staatsgewalt zu fassen bekommt. In den Wäldern des schwäbisch-bayerischen Grenzgebiets hat er ein ideales Versteck. Schließlich wird Klostermayer doch gefasst und verbringt fast ein Jahr im Zuchthaus in München. Sein Ruf ist da bereits so legendär, dass ihn der bayerische Kurfürst nach seiner Entlassung zum kurfürstlichen Jäger ernennen will. Aber da Hiasl ist mit dieser Gesellschaft fertig, und zwar ein für alle mal.

Zurück in seinem Wald zwischen Schwaben und Bayern schart Klostermayer Gleichgesinnte um sich und führt mit seiner Wildschützenbande einen regelrechten Kleinkrieg gegen die Obrigkeit. Jäger und Polizeikräfte werden immer wieder unvermittelt angegriffen und ihrer Waffen und Wertgegenstände beraubt. Amtsstuben werden überfallen und von Amtsleuten der Regierung unter Drohungen Geld erpresst, das danach wieder unter den armen Leuten verteilt wird. Der boarische Hiasl hat ein übermäßiges Charisma und Selbstbewusstsein. Da wiederholt vergeblich auf ihn geschossen wird, gilt er als unverwundbar. Bei keinem seiner Überfälle trägt Klostermayer eine Maske, stehts tritt er ganz offen und frech auf. Er und seine Kameraden sind Helden in der Bevölkerung, sie werden von den Bauern versorgt und vor jeder Gefahr gewarnt. Den Gesetzeshütern von außerhalb erzählt man entweder überhaupt nichts oder glatte Lügen über seinen vermutlichen Aufenthaltsort.

Schließlich wird die Bekanntheit und Beliebtheit des Wildschützenhauptmanns Klostermayer zu einer ernsten Gefahr für die Autorität der Regierung. Gegen die Bande von 30 Wilderern wird 1770 eine militärische Expedition von 300 Soldaten in Marsch gesetzt, denen es gelingt, den boarischen Hiasl und seine Kameraden (die noch dazu kein trockenes Pulver für ihre Gewehre haben) im Osterzeller Wirtshaus zu umstellen. Trotzdem leisten die 30 Wildschützen den 300 Soldaten über vier Stunden erbitterten Widerstand, erst als der Gasthof in Flammen steht, gibt Klostermayer auf.

Die Rache der Staatsmacht dafür, dass der boarische Hiasl sie jahrelang zum Narren gehalten hat, ist unerbittlich. Der Wildschütz wird zum Tode verurteilt, erdrosselt, gerädert, enthauptet und anschließend gevierteilt. Sein Kopf wird zur Abschreckung öffentlich aufgespießt.
Aber da ist Matthias Klostermayer im bayerischen Volk bereits eine Legende. Die Geschichten und Lieder verbreiten sich rasend in Bayern und darüber hinaus, da boarische Hiasl wird zum bayerischen Volkshelden und Symbol für den Widerstand gegen ein ungerechtes System.

“Und kommt die letzte Stunde, und schliaß I d’Augen zua,
Soldaten-Schergen, Jaga! Erst dann habts enga Ruah!”