Einige unserer besten Genoss*innen sind Kommunisten!

Unser jüngster Seitenhieb gegen die KPD Bayern und jeden Autoritarismus hat einzelne Leute leider etwas irritiert. Wir sehen uns verpflichtet, hier unsere Position etwas gerade zu rücken: Ist die KBA “antikommunistisch”?

Eine intensive Hass-Liebe seit eh und je: Anarchismus und Kommunismus!

Wir sind Anarchist*innen. Wir sind also historische und ideologische Gegner*innen des autoritären Kommunismus innerhalb der Radikalen Linken. Das zu bestreiten wäre ebenso unsinnig, wie es uns politisch vorzuwerfen. Die ungezählten toten Anarchist*innen, die in den letzten 100 Jahren Auseinandersetzungen mit den Autoritär-Kommunisten zum Opfer gefallen sind, bezeugen die Rechtmäßigkeit unseres Misstrauens.

Wir erinnern uns aber auch an viele Gelegenheiten in der Geschichte, in den Kommunist*innen und Anarchist*innen (fast) einträchtig gemeinsam für ihre jeweiligen politischen Ziele und gegen den faschistischen Erzfeind gekämpft haben, nicht zuletzt in der Bayerischen Revolution von 1918/19. Diese Erinnerung ist für uns handlungsleitend in der Gegenwart und wir strecken die Hand zur Freundschaft allen kommunistischen Genoss*innen entgegen, die mit uns zusammen von der Notwendigkeit einer übergreifenden antifaschistischen Volksfront überzeugt sind.

Diese Freundschaft bedeutet für uns nicht anbiedernde Kritiklosigkeit, aber entschiedene Solidarität und verlässliches Vertrauen, wo die antifaschistischen Umstände es gebieten. Wir sind sehr stolz, dass wir viele Kommunist*innen in den letzten Jahren zu unseren engsten Genoss*innen zählen durften, gerade auch solche, denen wir Anfangs eher in ideologischer Abneigung verbunden waren. An diese an dieser Stelle einmal ein herzliches “Einheitsfront!”

Bei aller ehrlichen Liebe ziehen wir zwei Schwarze Linien in unserer bemühten Geschwisterlichkeit mit dem autoritären Kommunismus, die für uns nicht überschritten werden dürfen: Stalin und Israel.

  1. Wir halten den Stalinismus/Maoismus für ein autoritäres Schreckens-Regime, das beinahe diametral allem widerspricht, wofür wir politisch kämpfen. Mit selbsterklärten geistigen Totschlägern gibt es für uns kein Grundlage für kooperativen Umgang, aus anarchistischem Selbstschutz genauso wie aus grundmenschlichem Anstand.
  2. Wir halten das Existenzrecht Israels als Schutzraum für Jüdinnen und Juden in der Welt für nicht diskutierbar. Wer dessen Vernichtung fordert, explizit oder durch politische Maßnahmen, die nichts anderes bewirken können als eine solche Vernichtung, betreibt den Judenhass von einst und von jeher und kann nicht Genoss*in von uns sein.

Die KPD Bayern nun ist offen und selbsterklärt stalinistisch und mindestens implizit eliminatorisch gegenüber Israel. Das sind keine bösen Unterstellungen unsererseits, sondern nüchterne Erkenntnisse aus mehreren Jahren feindschaftlich-vertrautem Austausch zwischen uns und bayerischen KPDlern. Man kann den Stalinisten nämlich viel vorwerfen, wirklich viel, aber sie sind zumindest eines: Nämlich entwaffnend ehrlich, was ihre politischen Ziele und Maßnahmen angeht.

Auf der anderen Seite machen wir den Stalinisten gegenüber auch aus unserem Herzen keine Mördergrube und wir vermuten eine beidseitige heimliche Freude bei gegenseitigem Schlagabtausch. Zumindest unserem seiteneigenen Hof-Maoisten sind wir ja bekanntlich auch in offener Hassliebe verbunden. Wir hoffen immer leise, dass auch die Stalinos hinter ihrer ganzen furchtbaren Ideologie noch ein bisschen menscheln. Anarchistische Naivität vielleicht … Die Forderung an uns, hier doch über ‘innerlinke Konflikte’ im Sinne antifaschistischer Einheit einfach mal hinwegzusehen, halten wir vor diesem Hintergrund jedenfalls für irrsinnig, und ausnahmsweise denken wir, dass wir hier auch für die KPD Bayern sprechen.

Zusammengefasst möchten wir festhalten, dass wir uns nicht als “antikommunistisch” im Sinne des Vorwurfs verstehen. Wir stehen als Anarchist*innen entschieden gegen jeden menschenfeindlichen Autoritarismus. Kommunistische Genoss*innen, die mit uns gegen den Faschismus kämpfen und an der befreiten Gesellschaft arbeiten wollen, treten bei uns offene Türen ein und fallen in liebende Arme.

Anarchistisches Bussi!