“Ich bin fürchterlich radikal gesinnt.” – Die bayerische Volksdichterin Emerenz Meier

In Erinnerung an die Schriftstellerin Emerenz Meier aus Waldkirchen, Niederbayern (1874-1928). In ihren Werken schrieb sie gegen Krieg, Unterdrückung, Ausbeutung, gegen Kirche und Patriarchat, für eine freiere Gesellschaft und bessere Zukunft. Dabei verband sie zeitlebens ihre scharfe Sozialkritik mit einer tiefen und innigen Heimatliebe.

Bayerische Feministin: Emerenz Meier (Gedenkstatue in Passau)

Aus reiner finanzieller Not emigrierte Emerenz 1906 mit ihrer Familie in die USA und lebte dort in Chicago. Die Not aber wurde in der Flüchtlingsexistenz und der Ehe mit einem Alkoholiker dort nur größer und machte ihr in Verbindung mit dem Heimweh nach dem Bayerischen Wald das Schreiben zunehmend unmöglich. In Briefen an ihre Freundin Auguste Unertl ging sie hart mit den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen in den USA und Bayern zu Gericht. Trotz ihrer Notlage sammelte sie Geld, um soziale Projekte im Bayerischen Wald zu unterstützen. Als in Amerika die Prohibition von Alkohol ausgerufen wurde, braute Emerenz heimlich bayerische Bier für sich und andere bayerische Exilanten.

Als Dichterin wurde Emerenz Meier international bekannt, sie gilt als die wichtigste bayerische Schriftstellerin nach Lena Christ. Am 28. Februar 1928 starb sie in Chicago an einer Nierenentzündung in ärmlichen Verhältnissen. Bayern hat sie nicht vergessen!

Das tötet und würgt uns und wird getötet,
Die ganze Welt ist von Blut schon gerötet,
Sie kämpfen verzweifelt, Mann gegen Mann,
Hat keiner was dem andern getan.


Was hat euch, ihr Völker, mit Blindheit geschlagen,
Wann wird es in euren Gehirnen tagen,
Wann dringt in eure Seelen das Licht
Der echten Freiheit, die liebt, nicht ficht?”

Emerenz Meier, aus Weh über die Führer der Nationen