Ingolstadt: Linke Solidarität mit anti-israelischer Propaganda?

Als vor einigen Wochen die “Antifaschistische Jugend Augsburg (AJA)” einen geschichtsrevisionistisch Jubelbeitrag anlässlich des “Nakba”-Mythos (arabische Niederlage im Unabhängigkeitskrieg gegen Israel) veröffentlichte, haben wir beschlossen, das weitestgehend zu ignorieren. Wir wollten dem offensichtlich anti-israelischen Geschichtsrevisionismus einer “antiimperialistischen” Kleinstgruppe keine Bühne bieten. Wir haben uns aber gefreut, dass sich das Junges Forum DIG HG Augsburg sowie unsere Genoss*innen von Linksjugend ‘solid Augsburg, Grüne Jugend Augsburg und Jusos Augsburg sofort von diesem inhaltlichen Dreck und der dahinterstehenden Gruppe öffentlich distanzierten.

In unserer Entscheidung hat uns bestätigt, dass die einzige “Solidarität” für den ahistorisch-verzerrten “Antizionismus” der AJA aus dem üblichen Kreis belangloser Anti-Imp-Kleinstgruppen zu vernehmen war. Insgesamt also erwartbare Lügen aus erwartbarer Ecke, die man gut und einfach der politischen Bedeutungslosigkeit überlassen hätte können. Wenn, ja wenn nicht sich ausgerechnet unsere bisherigen Kolleg*innen von LARA “La Resistance” -Ingolstadt sich vor einer Woche dazu verstiegen hätten, diesem inhaltlichen Schmutz ernsthaft “solidarisch” beizuspringen …

LARA will nach eigener Aussage im “Nakba”-Beitrag der AJA “keinen Antisemitismus” erkennen können. Wenn da von “zionistischen Armeen” die Rede ist, die plötzlich einfach mal so “75% des historischen Palästinas” besetzen und durch “zionistische Terrorgruppen” Massaker verüben und “mit Unterstützung der Briten” “fast eine Millionen Palästinenser” vertrieben haben, dann müssen wir uns schon fragen, welches Geschichtsbild LARA eigentlich so vom Nahen Osten in den Jahren 1945 bis 1950 hat. Israel habe seinen Staat gegründet und die Palästinenser seien “weiterhin vor dem Nichts” gestanden. “Vertreibung, Beraubung, Besatzung und Apartheid” würden “bis heute” herrschen, das “Rückkehrrecht” würde den Palästinensern verweigert. LARA scheint nicht aufzufallen, wie hier ein antisemitischer Propagandatopos nach dem anderen aneinandergereiht wird.

Kein Wort davon, dass in der Beschreibung der “Nakba” durch die AJA historischen Lücken von der Größe des Gaza Streifens klaffen. Dass vor der “Nakba” ein antisemitischer Vernichtungskrieg gegen Israel durch die arabischen Regime vom Zaun gebrochen wurde, mit dem öffentlich erklärten Ziel “die Juden ins Meer” zu treiben. Dass es die arabischen Regime waren, die die vorgesehene Gründung eines eigenen palästinensischen Staates verweigerten, weil sie zuvor lieber Israel von der Landkarte tilgen wollten. Dass die etwa 700.000 geflüchteten Palästinenser*innen nur zum Teil von der israelischen Armee vertrieben wurden, viele verließen ihre Dörfer präventiv aus Angst vor den Kampfhandlungen, andere wurden von den angreifenden arabischen Truppen zur Flucht aufgefordert. Dass in vielen Gegenden überhaupt keine Vertreibung stattfand, und deswegen heute jeder fünfte israelische Bürger palästinensischer Araber ist.

Dass der “Flüchtlingsstatus” der vertriebenen Palästinenser*innen durch die arabischen Regime künstlich bis heute aufrecht erhalten wird, statt ihnen Staatsbürgerschaft zu garantieren, die Palästinenser*innen so also als Geisel und Faustpfand antiisraelischer Politik gehalten werden. Dass das rückhaltlose “Rückkehrrecht” von allen Expert*innen als eindeutige antiisraelische Drohung gegen den Staat Israel verstanden wird. Dass während der “Nakba” nicht nur 700.000 Palästinenser*innen aus Israel vertrieben wurden, sondern auch 850.000 Jüd*innen aus arabischen Ländern flüchteten oder vertrieben wurden. Und das ist nur ein Einblick in die Seiten der Geschichte, die im “Nakba”-Mythos wissentlich verschwiegen werden, um Hass gegen Israel seit 72 Jahren am brennen zu halten. Wir finden “Solidarität” mit solch bösartigen Märchen abgrundtief widerlich, es ist die bewusste Verweigerung des Denkens, reines Ressentiment.

“Im [ärmlichen, jüdischen] Ghetto [von Tunis] wurde nie bestritten, dass die Muslime [im Unabhängigkeitskrieg] völlig gerechtfertigt für das Ende ihres Elends kämpften.
[Aber auch die arabischen Juden waren kolonisiert gewesen], unterworfen, gedemütigt, bedroht und von Zeit zu Zeit massakriert. Und von wem? Ist s nicht Zeit, dass unsere Antwort endlich gehört wird: von den muslimischen Arabern.”

Albert Memmi
arabisch-jüdischer Sozialist

Wir möchten also von den Kolleg*innen von LARA gerne wissen, wie man den politischen Kopf so tief in den “anti-imperialistischen” Sand stecken kann, dass man in einer solchen Blaupause antiisraelischer Lügenpropaganda “keinen Antisemitismus” erkennt. Wir möchten gerne wissen, welchen Antisemitismusbegriff LARA ihrer politischen Arbeit zugrunde legen, wenn sie den 3D-Test gegen Antisemitismus wegen “Unwissenschaftlichkeit” ablehnen. Ob Antisemitismus für LARA mehr so eine Geschmacksfrage ist. Wir möchten auch gerne erfahren, wer für LARA eigentlich die Träger “des palästinensischen Freiheitskampfes” sind, mit denen sie sich da solidarisieren wollen. Welche Gruppen tragen diesen “palästinensischen Freiheitskampf” denn maßgeblich aus euerer Sicht? Die mörderischen “Sozialisten” von der PFLP? Die vernichtungsantisemitische Hamas? Die islamistische Hisbollah?

Und abschließend möchten wir von LARA wissen, ob wir diese “Solidaritätserklärung” als eure politische Selbstverortung verstehen sollen. Da würden wir dann aber gerne Konsequenzen daraus ziehen.

Niemals Frieden mit israelfeindlicher Propaganda.
Nie wieder.