Mord an Klaus Peter Beer

In der Nacht zum 07. September 1995 wurde Klaus Peter Beer in Amberg ermordet. Die beiden Neonazis Richard Lorenz und Dieter Müller schlugen ihn nieder und traten mit Springerstiefel solange gegen seinen Kopf und Körper bis er bewusstlos war. Anschließend warfen sie ihr hilfloses Opfer in die Vils wo er ertrank. Der Mord an Klaus Peter Beer lies die Umgebung kalt.

Gedenken an den ermordeten Klaus Peter Beer
Gedenken an den ermordeten Klaus Peter Beer
Verdi Jugend Oberpfalz

Der Grund für seinen Tod war einzig und alleine das er aufgrund seiner Homosexualität nicht in das faschistische Weltbild seiner Mörder passte. Nachdem sie unter anderem bei einem Konzert mit ihrer Tat geprahlt hatten wurden sie gefasst und in einem Gerichtsverfahren zu acht und zwölf Jahren Haft verurteilt. Trotz der Heimtücke und den niederen Beweggründen ihrer Tat wurden sie nicht wegen Mordes, sondern ausschließlich wegen Totschlags verurteilt.

Der rechte Terror

Der Mord an Klaus Peter Beer fand zu einer Zeit des rechten Terrors in ganz Deutschland statt. Es war eine Zeit in der Flüchtlingsunterkünfte brannten und in der die späteren Mitglieder des NSU begannen, sich in der neonazistischen Kameradschaft Thüringer Heimatschutz zu organisieren.

Gerne geleugnet wird das der rechte Terror eben nicht nur im Osten der Republik zu Hause war oder ist, sondern auch hier in der Oberpfalz. Einer der erste tödlichen Brandanschläge von Neonazis fand bereits 1988 in Schwandorf, bei dem der FAP-Anhänger Josef Saller vier Menschen tötete. 1995, im Jahr in dem Klaus Peter Beer ermordet wurde, gab es auch in Amberg mehrere Übergriffe von Neonazis. Der Mord an Klaus Peter Beer, war also kein singuläres Ereignis, keine Zufallstat, in einer ansonsten friedlichen und von Rassismus und Neonazismus freien Stadt.

Die Politik des Verdrängens und Ignorierens

Skandalös war der Umgang mit dem grausamen Mord an Klaus Peter Beer, über den unter der Bezeichnung Vilsmord bundesweit berichtet wurde. Richtigerweise müsste man sagen ein Umgang fand nicht statt. Jahrelang wurde über den Tod Klaus Peter Beers der Mantel des Schweigens gehüllt. Ein Gedenken – ein Erinnern – gab es nicht und gibt es von offizieller Seite bis heute nicht.

Erst 2003 entrissen junge Amberger Antifaschist*innen die Tat dem Vergessen. Wir forderten jedoch nicht nur ein Ende des Schweigens sondern auch eine Ende des Ignorierens von rechten Gewalttaten und dem Erstarken der rechten Szene in Amberg durch Behörden und Polizei.

Zu Anfang der 2000er Jahre kam es in Amberg immer häufiger zu Übergriffen von Neonazis auf Andersdenkende und auf Menschen, die nicht in ihr rassistisches und antisemitisches Weltbild passten. Zu dieser Zeit wurde der Raum Amberg auch zu einem der wichtigsten Zentren der süddeutschen Rechtsrockszene. Zahlreiche Konzerte mit nationalen und internationalen Größen der rechten Musikszene fanden in der Region statt. Bis zu seinem Verbot hatte unter anderem das neonazistische Netzwerk Blood & Honour seinen bayerischen Sitz in Amberg und in Amberg wurde unter anderem ihr Rechtsrockfanzine United White & Proud herausgegeben.

Trotz der sich häufenden rechten Gewalt zu Beginn der 2000er behaupteten die zuständigen Stellen, in Amberg gebe es keine rechte Szene. 2002 hieß in einer Pressemitteilung der Stadt Amberg: “Keine rechtsextremen Aktivitäten, aber immer mehr Ärger durch russischstämmige Aussiedler.”

Als junge Antifaschist*innen 2003 das erste Mal auf die Straße gingen, um Klaus Peter Beer zu gedenken, waren sie mit einer Politik des Verdrängens und Ignorierens konfrontiert. Uns wurde unterstellt wir wären Nestbeschmutzer.

Allen Widrigkeiten zum Trotz fanden in den kommenden Jahren immer wieder Demonstrationen und Kundgebungen zur Erinnerung an Klaus Peter Beer statt und allen Realitäten zum Trotz setzten die Verantwortlichen in Amberg ihre Politik des Verdrängens und Ignorierens fort.

Auch als es der rechten Szene gelang Ende der 2000er in Amberg, ihre Strukturen weiter auszubauen, Amberger Neonazis eng eingebunden waren in die neonazistischen Strukturen des Freien Netz Süd und Amberg sich immer mehr zum Rückzugsort für Vortragsveranstaltungen und Konzerte der süddeutschen Neonaziszene entwickelte, gab es laut offiziellen Stellungnahmen in Amberg keine Neonazis und ein Gedenken für Klaus Peter Beer fand nicht statt.

Im Jahr 2010, anlässlich des 15. Todestages von Klaus Peter Beer, setzten Hunderte Antifaschist*innen in Amberg ein Zeichen für ein würdevolles Gedenken an Klaus Peter Beer.
Nachdem die Forderung, eine Gedenktafel für Klaus Peter Beer am Vilssteg anzubringen, jahrelang ungehört blieb, wurde aus eigener Tasche eine Gedenktafel gestiftet und am Vilssteg angebracht.

Schon einige Tage vor der Demonstration wurde eine Mahnwache an Klaus Peter Beer von Neonazis gestört. Auch während der Schweigeminute bei der Anbringung der Gedenktafel versuchten Neonazis die Kundgebung anzugreifen. Ermittelt wurde anschließend jedoch – wie auch in den Jahren zuvor erfolglos – gegen die Anmelder der antifaschistischen Demonstration. Nur wenige Tage nach der Demonstration wurde die Gedenktafel, vermutlich von Nazis, gewaltsam entfernt. Zurück blieben stattdessen Aufkleber des Freien Netz Süd.

Gegen das Vergessen

Auch heute treiben Neonazis in Amberg ihr Unwesen und auch heute wird die Existenz ein organisierten rechten Szene geleugnet.

Heute – 25 Jahre nach dem Mord an Klaus Peter Beer – gibt es noch immer keinen Ort des Gedenkens. Keine Gedenktafel erinnert an ihn. Kein Platz und keine Straße ist nach ihm benannt. Kein Preis wird in seinem Namen gestiftet.

Einmal mehr gehen wir deshalb am 12. September in Amberg auf die Straße.

Für ein würdiges Gedenken an Klaus Peter Beer.

Gegen das Vergessen. Gegen den rechten Terror in Amberg und anderswo. Gegen die Politik des Verdrängens und Ignorierens.

(Gastbeitrag von den Gewerkschaftsgenossen)