Nazis: Zwischen rituellem Kindesmissbrauch und Ritualmordlegenden

“Wir sehen ja die Verbindung zwischen rechtsradikalen, faschistischen Gruppen und diesen sexuellen Gewaltgruppen. So dass also diese ganzen Strukturen, die sind schön miteinander vermengt.”
Michaela Huber
Psychotherapeutin

Nach dem wahnhaften Video von Xavier Naidoo über angebliche pädophile Netzwerke von “US-Eliten”, die tausende von Kindern für “Adrenochromgewinnung” in geheimen Tunneln entführen und foltern würden, ist eine der Lieblingspropaganda-Lügen des Faschismus im Moment wieder viral: Ritualmordlegenden.

Ritualmordlegenden haben einen antisemitischen Hintergrund

Dieses inzwischen schon jahrtausende alte Lügenmärchen dient dazu, bestimmte Gruppen in der Gesellschaft unter den Verdacht des Kindsmordes zu stellen, ob dies nun “die Juden” oder “demokratische Eliten” sind. Diese Gruppen sollen damit dämonisiert und zum Ziel des “gerechten Volkszorns” werden.

Wirft man einen kurzen Blick in den widerlichen rechtsradikalen Sumpf von deutschsprachigen Verschwörungstheorie-Gruppen wie “Q-Anons – Deep State, Verschwörungen, dunkle Kabale”, dann wird klar, dass blanker antisemitischer Wahn der Kleister ist, der die einzelnen wirren Verschwörungstheorien zu einem Weltbild zusammenhält, indem über den Lügenmärchen ständig die Namen “Rothschild”, “Soros”, “Israel” oder “Finanzeliten” als Hintermänner der eingebildeten Verbrechen geraunt werden.

Mittelbar oder unmittelbar sind es also immer noch “die Juden”, denen man zutraut, “die Weltwirtschaft zu kontrollieren”, “Pandemien zu steuern” und eben auch “unsere Kinder zu entführen und zu schlachten”.

Das perfide daran: Ritueller Kindesmissbrauch ist eine sehr reale und schreckliche Tatsache. Lange Zeit wurden seine Opfer verlacht und psychopathologisiert, weil sich ihre Erzählungen über ihren Missbrauch eben anhörten wie Verschwörungstheorien. In den letzten zehn Jahren hat sich aber in der Forschung einiges getan. Dabei wird deutlich, dass sich der Faschismus nicht nur der Ritualmordlegende als Propagandalüge bedient, sondern dass Faschisten in einem auffälligen Ausmaß selbst in und hinter den Netzwerken realen rituellen Kindesmissbrauchs stehen.

Beispiele sind hier die “Colonia Dignidad” in Chile, in der eine deutsche rechtsradikale Sekte jahrzehntelang Kinder misshandelte und missbrauchte. Und auch bei den rechtsradikalen Mördern des NSU wurden Kindersachen und pädo-kriminelle Fotos gefunden. Die Faschisten sind also sehr aktiv daran beteiligt, diejenigen Missbrauchsopfer zu schaffen, die bei ihnen dann gleich auch als Beleg für die “satanischen Verschwörungen” von “Demokraten”, “Eliten” und “Juden” herhalten müssen.

Dies ist nicht neu, sondern bewährte Praxis des Faschismus, nämlich seinen Gegnern jene Schandtaten zu unterstellen, die der Faschismus selbst betreibt. So präsentieren sich Faschos immer wieder als Kämpfer gegen “fremdländischen” Drogenhandel, sind aber selbst in vielen Gegenden direkt in den Handel mit Meth involviert. So unterstellen Faschos ihren Gegner*innen sinistre Verschwörungen, sind aber selbst in ihrer Ideologie die eigentlichen Verschwörer gegen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

“Das muss uns auch fürchten: Das sind zutiefst antidemokratische Strukturen.”

Die Gründe für die Überscheidungen zwischen Faschismus und rituellem Kindesmissbrauch sind naheliegend. Täterumfeld ist fast immer die eigene Familie, die entweder direkt in den Missbrauch involviert ist, ihn zumindest aber wissentlich hinnimmt, wenn er durch andere geschieht. Dabei geht es immer um einen sadistischen Machtwillen, totale Kontrolle über das Leben eines anderen Menschen, eines hilflosen Kindes.

Die Ideologien, die von missbrauchenden Gruppen um solche “Rituale” geschaffen werden, ähneln in ihren Grundsätzen und Ausformungen ganz frappierend faschistischer Ideologie: Übersteigert-elitäres Selbstbewusstsein, pseudo-esoterisches Machtstreben, Abwertung der Um- und Außenwelt als feindlich, dreckig oder minderwertig, Gleichsetzung von Gewalt und Stärke, Abhärtung durch Gewalt, Indoktrination der eigenen Mitglieder.

“Ich sage immer, im Bodensatz ist diese ganze sexuelle Ausbeutung faschistoid.”

Wenn also Faschisten danach schreien, dass “Eliten” unsere Kinder morden, dann seid euch bewusst, dass sie lügen, bis sie es selbst wahrmachen.

Solidarität mit den Opfern – Hass und Verachtung für die Täter.

Betroffene können sich an die Kolleg*innen von vielfalt e.V. wenden:

https://www.vielfalt-info.de/index.php/wir-ueber-uns/vielfalt-e-v