AfD fordert Erinnerungsstätte für den 20. Juli am ehemaligen Flugplatz Rangsdorf

Die Bundestagsfraktion der AfD hat einen entsprechenden Antrag vorgelegt. Er zielt darauf ab, sich “kritisch mit dem routinierten Betrieb der deutschen Erinnerungskultur zu beschäftigen.”

Eine Lagerbarracke nach dem Attentat am 20. Juli 1944
Bundesarchiv, Bild 146-1972-025-12 / CC-BY-SA 3.0

Am 20. Juli 1944 versuchte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg den deutschen “Führer” Adolf Hitler zu töten. Der ehemalige Flugplatz Rangsdorf spielte dabei eine zentrale Rolle: Nach dem Attentat in der Wolfsschanze kehrte Stauffenberg nach Rangsdorf zurück, um von dort aus das “Unternehmen Walküre” zu leiten – ein Plan der Wehrmacht für den Falle eines Aufstandes gegen das Regime, der von den Verschwörern um Stauffenberg jedoch umfunktioniert wurde. Das Attentat missglückte und Stauffenberg wurde noch in der Nacht zum 21. Juli 1944 mit Mitverschwörern hingerichtet.

Stauffenberg als “Herz des Widerstandes”

Die Alternative für Deutschland (AfD) will nun an jenem Ort eine “Stätte des Erinnerns und Lernens für das Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli” errichten. Als Begründung gibt die Bundestagsfraktion an, dass an diesem Ort “der Blutzoll” gewürdigt werden solle, “den der politisch verantwortungsbewusste Teil des Adels als Träger des militärisch-nationalkonservativen Widerstands und die mit ihm kooperierenden bürgerlich-zivilen Widerstandskreise erbracht haben“.

In ihrem Antrag zitiert die AfD-Fraktion etwa den Journalisten Wolfgang Venohr, der sich zeit seines Lebens mit Preußen und dem militärischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus beschäftigt hatte. Er bescheinigt Stauffenberg, dass er das “Herz, Hirn und Faust des deutschen Widerstands” gewesen sei. Venohr war selbst Mitglied der Leibstandarte Adolf Hitler der Waffen-SS, der er sich 1941 freiwillig anschloss. Einige Werke Venohrs werden als “geschichtsrevisionistisch” bezeichnet.

Die Bewertung Stauffenbergs wird von der AfD in ihrem Antrag kritisiert. Heute werde ihm vorgehalten, ein Verächter der parlamentarischen Demokratie gewesen zu sein. Man werfe Stauffenberg vor, sich bis zur Niederlage in Stalingrad im Februar 1943 “mehr oder weniger im Einklang mit Hitlers Politik und Kriegsführung befunden zu haben.” Diese Sichtweise werde auf Stauffenberg und seine Mitverschwörer in keinster Weise gerecht, argumentiert die AfD. Sie bezieht sich dabei auf Briefe, die von einem Freund Stauffenbergs in sowjetischer Haft geschrieben wurden.

Nationalsozialist Stauffenberg

Einen anderen Brief erwähnt die AfD jedoch nicht: Nach dem Überfall auf Polen im September 1939 schrieb Stauffenberg an seine Frau.

“Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk welches sich nur unter der Knute wohlfühlt. Die Tausenden von Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun. In Deutschland sind sie sicher gut zu brauchen, arbeitsam, willig und genügsam.”
Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Historiker, wie Heinrich August Winkler oder Saul Friedländer, sehen darin eine deutliche Zustimmung Stauffenbergs zum Nationalsozialismus. Für die AfD hingegen ist klar, dass die Verschwörer um Stauffenberg „[n]ebene ethischen Motiven“, vor allem versuchten „den Krieg raschestmöglich mit einem für Deutschland halbwegs erträglichem Ausgang zu beenden“. Sie attestieren den Militärs, dass sie nicht vordergründig aus ihrer Gesinnung, sondern aus Verantwortung heraus gehandelt hätten. 

Die AfD sieht in der Debatte über die Bewertung des 20. Julis 1944 einen Beweis für die doktrinären Positionen der Erinnerungspolitik. Der “routinierte Betrieb” der deutschen Erinnerungskultur müsse nämlich kritisch betrachtet werden, so die Bundestagsfraktion. “Auch diese heute unpopuläre Einlassung gehört zum geistigen Erbe des 20. Juli 1944”, heißt es in dem Antrag. Darum plädiert sie für eine Erinnerungsstätte am Flugplatz Rangsdorf, die mit dem geplanten Konversionsprojekt verbunden werden soll, um eine solche kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Erinnerungskultur zu ermöglichen.