Saal 101: ARD veröffentlicht Dokumentarhörspiel zum NSU-Prozess

In 24 Episoden á 30 Minuten hat die ARD-Produktion “Saal 101” die Protokolle des NSU-Prozesses in ein Dokumentarhörspiel umgewandelt. Seit Freitag kann man das Ergebnis im Radio oder der ARD-Audiothek hören.

Saal 101
Seit Freitag in der ARD-Audiothek zu hören: Saal 101
BR/Nadja Dall’Armi

Kein Mitschnitt, keine Bilder und kein Ton: Der NSU-Prozess gilt als größter und teuerster Strafprozess, der in Deutschland gegen Neonazis geführt wurde und dieser ist in dieser Hinsicht schlecht dokumentiert. Die ARD war bei den 438 Prozesstagen jedoch anwesend und hat nun aus 6 000 Seiten Protokollen mit “Saal 101” ein Dokumentarhörspiel zum NSU-Prozess veröffentlicht, der in insgesamt 12 Stunden ein umfangreiches Bild abgeben soll.

“Man erlebt diesen Prozess einerseits in einer journalistischen Aufarbeitung, einer Tiefenschärfe, wie man das sonst nicht bekommt, und gleichzeitig ist das Projekt selbst schon ein Stück Zeitgeschichte”, sagt BR-Intendantin Dr. Katja Wildermuth. Der Bayerische Rundfunk (BR) war federführend bei der Produktion beteiligt. Noch während der Prozess im Jahr 2015 lief, fiel die Entscheidung daraus ein Dokumentarhörspiel zu machen.

NSU-Prozess in gesprochenen Worten

Erste Aufnahmen begannen bereits 2016, doch das Projekt wurde schnell auf Eis gelegt, erklärt Katarina Agathos von der BR-Redaktion Hörspiel. Der Grund: Ein Ende des Prozess lag noch in weiter Ferne. Die Länge des NSU-Prozess wurde von Beobachtern als Qual für die Angehörigen und Zeug:innen beschrieben.

“Saal 101” lässt sie jedoch zu Wort kommen und so setzt sich Stück für Stück ein Bild zusammen: Wer waren die Mitglieder des NSU? Wie haben sie sich radikalisiert? Welche Rolle spielte der Verfassungsschutz? Es gibt viele Fragen zu beantworten. Jede halbstündige Episode widmet sich genau einem Themenkomplex. “Saal 101” erzählt den NSU-Prozess nämlich nicht chronologisch, sondern thematisch.

Nachhaltiges Denk- und Informationsangebot der ARD

Es sollen Zeugenaussagen zusammenkommen, die vielleicht weit auseinanderliegen, jedoch dieselbe Fragestellung behandeln. Der Anspruch, so Agathos, sei, den NSU-Prozess in seiner Gesamtheit abzubilden, wenngleich in stark geraffter Form. Somit könne man dem nachlassenden Interesse der Öffentlichkeit kein ein “nachhaltiges Denk- und Informationsangebot entgegensetzen.”

Zu hören ist “Saal 101” bereits seit Freitag, 19. Februar 2021. Ausgestrahlt wurde es unter anderem in den Kultur- und Informationsradios der ARD. Alle 24 Folgen können auch in der ARD-Audiothek angehört werden.