Hamburger ÖPNV streikt heute

Nachdem die Tarifverhandlungen mit der HOCHBAHN gescheitert sind, ruft die Gewerkschaft ver.di heute zu einem Streik auf. Es geht um Entlastungen der Beschäftigten.

Am heutigen Samstag wird es still im Hamburger ÖPNV
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Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) stellt einen wichtigen Pfeiler der Mobilitäts- und Klimapolitikswende dar. Diese darf jedoch nicht auf Kosten der Beschäftigten gehen, sagt ver.di in Hamburg. „Überstunden gehören zu unserem Job wie der Führerschein“. Über 70 Prozent der Fahrer:innen arbeitet regelmäßig drei Stunden in der Woche länger als vertraglich vereinbart. Hinzu kommen viele Sonntage, an denen gearbeitet werden muss, gemäß Tarifvertrag.

Hohe Belastung, wenig Gehalt

Die hohe Belastung der Beschäftigten wurde durch eine Anfrage an den Hamburger Senat bestätigt. Hinzukommt, dass in den letzten zehn Jahren im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) die Anzahl der Fahrgäste um 21 Prozent gestiegen ist. Obwohl mehr Personal eingestellt wurde, fallen regelmäßig Fahrten aus.

Aus diesem Grund befindet sich ver.di in einer Tarifauseinandersetzung mit den Arbeitgebern HOCHBAHN und VHH. Als Vergleich führt die Gewerkschaft den öffentlichen Dienst an, in denen Kolleg:innen rund 500 Euro mehr im Monat für vergleichbare Tätigkeiten bekommen.

Obwohl HOCHBAHN und VHH darauf beharren, dass kein Geld für tarifliche Veränderungen da sei, erlaubte sich der Vorstandsvorsitzende der HOCHBAHN im letzten Jahr eine Gehaltserhöhung von 18 Prozent. „Allein seine Gehaltssteigerung beträgt deutlich mehr als die meisten von uns im ganzen Jahr verdienen“, prangert ver.di an.

Streik in der Pandemie

Außerdem sei es an der Zeit, den “hervorragenden Einsatz” der Arbeiter:innen während der Pandemie entsprechend zu würdigen. In Zukunft sei es wichtig, einen sicheren ÖPNV mit qualifiziertem Personal zu garantieren. Nur so könne die Mobiltätswende gelingen.

In der vierten Verhandlungsrunde hat HOCHBAHN die Gespräche platzen lassen. Ver.di betont, dass man sogar einen Kompromiss aufgrund der Pandemie angeboten hatte. Dieser sah eine Laufzeit von 12 Monaten vor, sowie das Angebot, komplexe Themen zur Entlastung der Beschäftigten erst im kommenden Jahr ausführlich zu beraten. Jedoch habe der Arbeitgeber die Verhandlungen überraschend für beendet erklärt. Dafür gebe es kein Verständnis, sagte Natale Fontana, Landesfachbereichsleiter Verkehr bei ver.di Hamburg.

Als Konsequenz der geplatzten Gespräche wird man am heutigen Samstag streiken. Man habe den Streik bewusst auf das Wochenende verlegt, so dass keine Schüler:innen von der Arbeitsniederlegung betroffen sind.

Unterstützung für ver.di

Unterstützung erfährt ver.di von Die LINKE. „Wir sind mit den Streikenden solidarisch“, heißt es auf der Homepage des Bezirksverbandes Eimsbüttel. Zudem sollte man die Perspektive der Arbeiternehmer:innen einnehmen und so Verständnis für die Arbeitsniederlegung aufbringen.

Solidarisch zeigts ich auch die Ortsgruppe von „Fridays For Future“. „Wir stehen an der Seite der Menschen, die uns sicher und klimafreundlich durch die Stadt bringen! SIE sind Klimaretter*innen!“

Ganz klare Forderungen hat ver.di an den Hamburger Senat, der nun Farbe bekommen soll. „Legen Sie verfehlten Ausgliederungen und die unökologische Verkehrspolitik ad acta! Eine gut ausgebaute Daseinsvorsorge muss das Gebot der Stunde sein“, fordert Sieglinde Frieß, stellvertretende Landesleiterin von ver.di HH.