Polizeigewalt in Ingelheim: Neue Augenzeugenberichte und Arbeitskreis der Polizei

Nach den Angriffen der Polizei auf linke Aktivist:innen am 15. August in Ingelheim kommen nun weitere Einzelheiten ans Tageslicht. Zum einen hat das Polizeipräsidium Mainz angekündigt, die “körperlichen Auseinandersetzungen zwischen Versammlungsteilnehmern und eingesetzten Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten” in einem internen Arbeitskreis zu untersuchen. Zum anderen sind nun mehrere Augenzeugenberichte öffentlich gemacht worden.

Video aus dem Bahnhofstunnel in Ingelheim. Video von artemisclyde_/Twitter

In der Pressemitteilung betont das Polizeipräsidium, dass man die geäußerte Kritik an den Einsatzmaßen “sehr ernst” nehme. Betroffene Personen können sich beim Polizeipräsidium melden, das die Vorgänge von “erfahrenen Polizeibeamtinnen und -beamten, dem behördeninternen Ermittler des Polizeipräsidiums Mainz sowie Mitarbeiterinnen des Rechtsreferats” untersuchen lässt.

“Es war totale Panik”

In diesem Zusammenhang dürften auch einige Augenzeugenberichte interessant sein, die nun veröffentlicht wurden. Alerta liegt ein Bericht vor, der an die Leitung der antifaschistischen Gegenkundgebung gesendet wurde. In dem Bericht heißt es, dass bei Ankunft der Aktivist:innen am Bahnhof Ingelheim ein Kommunikationspolizist auf die Gruppe zukam. Er teilte ihnen mit, dass er sie über den Tunnel zur Kundgebung bringen würde. Nach kurzer Bedenkzeit stimmte die Gruppe zu.

Zusammen mit anderen Aktivist:innen wurden sie durch den Tunnel am Bahnhof geführt, wo die Polizei den Weg blockierte. Als Panik in der Menschenmenge ausbrach, reagierte die Polizei mit Schlagstöcken und Pfefferspray. Eine Flucht war nicht möglich, da das andere Ende ebenfalls von der Polizei versperrt wurde.

Es waren Hilfeschreie zu hören, einige Menschen lagen am Boden und bekamen keine Luft mehr. Selbst Rufe der Polizei, den Weg freizumachen, wurden nicht gehört. Erst nach einiger Zeit ließen sie die Aktivist:innen passieren. Einige von ihnen waren sichtbar verletzt von den Schlägen und dem Pfefferspray. Wie die Demosanitäter:innen berichteten, konnten sie erst ab diesem Zeitpunkt die Verletzten versorgen. Die Polizei ließ sie vorher nicht durch.

Ausführliche Interviews mit Augenzeug:innen

Die Journalistin Anett Selle hat mehrere Augenzeug:innen zu den Vorfällen interviewt. Ihr Bericht ist in der taz zu lesen. Auf ihrer Homepage hat sie nun die kompletten Interviews gepostet, die einen guten Einblick in die Geschehnisse am 15. August geben.