Der deutsche Widerstandskämpfer Günter Pappenheim ist tot

Der Vorsitzende der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora und letzter Überlebender des KZ starb mit 95 Jahren im brandenburgischen Zeuthen.

Pappenheims Häftlingskarte im KZ Buchenwald
Arolsen Archives/CC BY-SA 4.0

Sein sozialdemokratischer Vater wurde im Januar 1934 im KZ Neusustrum ermordet. In seiner Schülerzeit verweigerte er den Hitlergruß. Doch es war das Spielen der französischen Nationalhymne La Marseillaise, die er auf der Ziehharmonika eines französischen Zwangsarbeiters spielte, die ihn selbst in ein Konzentrationslager brachte. Staatsfeindliche Tendenzen, sowie der Aufbau einer illegalen Gruppe, wurden ihm vorgeworfen.

Nach fünf Tagen Verhör durch die Gestapo und verschiedenen Gefängnisaufenthalten, wurde Günter Pappenheim im Oktober 1943 in das KZ Buchenwald deportiert. Dort manipulierte er mit anderen Häftlingen die gebauten Gewehre, um sie untauglich zu machen. Pappenheim überlebte das Konzentrationslager, als es am 11. April 1945 befreit wurde. Gemäß dem „Schwur von Buchenwald“, den er am 19. April auf dem Appellplatz geschworen hatte, war die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ein wichtiger Bestandteil seines politischen Aktivismus. 

“Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln“

Nach dem Krieg setzte sich Pappenheim für die Vereinigung von SPD und KPD ein und wurde nach Studium an der Parteihochschule der KPdSU 1960 Erster Sekretär der SED-Kreisleitung seines Geburtsortes Schmalkalden. Zu Beginn der 70er Jahre verschlug es ihn nach Potsdam, um dort sein Amt als Vorsitzender des Rates des Bezirks Potsdams auszuüben. Bis 1989 war er Mitglied der Zentralen Parteienkontrollkommission. 

Am meisten jedoch wird er vielen als überzeugter Antifaschist in verschiedensten Vereinen in Erinnerungen bleiben. So war Pappenheim Mitglied und Vorsitzender der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e.V., sowie Teil des Ehrenpräsidiums der Fédération Internationale des Résistants (FIR). 

Die Stadt Weimar hatte Pappenheim erst am 01. März zum Ehrenbürger ernannt. „Wir sind dankbar, dass wir noch die Möglichkeit hatten, ihn für sein Lebenswerk zu würdigen“, sagt der Oberbürgermeister Peter Kleine. Denn wenige Wochen später starb Günter Pappenheim mit 95 Jahren in Zeuthen.

Späte Ehre in der BRD

 „Mit Günter Pappenheim verlässt uns ein weiterer Zeitzeuge der Nazi-Barbarei und Mahner für die Sache der Menschlichkeit“, unterstreicht Kleine das jahrzehntelange antifaschistische Engagement des KZ-Überlebenden. Die Ehrung in der BRD kam spät. Frankreich ernannte ihn zum Ritter der Ehrenlegion, noch bevor der Antifaschist den Verdienstorden des Landes Thüringen erhielt. 

Der dortige Landesverband der Partei Die LINKE trauert um ihr Mitglied. „Wir verlieren heute nicht nur einen verlässlichen Mitstreiter im Kampf gegen Nationalismus & völkisches Denken, wir verlieren auch einen zugewandten Freund.“ 

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow betonte in einem Nachruf der Staatskanzlei, dass Pappenheims Wirken uns Auftrag sein müsse. „Ein Großer ist gegangen.“