Flämisches Regionalparlament würdigt Nazi-Kollaborateure

In einer vom flämischen Parlament finanzierten Beilage des belgischen Magazins Newsweek, wurden die Nazi-Kollaborateure August Borms und Staf De Clercq neben 12 anderen Persönlichkeiten gewürdigt. Anlass war das 50-jährige Bestehen des flämischen Parlaments. 

August Borms (rechts) beim Zeigen des Hitler-Grußes im Jahr 1941
Gemeinfrei

Wäre der spätere Papst Pius XII. nicht gewesen, dann hätte das Leben von August Borms deutlich früher geendet: Der flämische Gymnasiallehrer hatte während des Ersten Weltkriegs mit der deutschen Besatzungsmacht eng zusammengearbeitet und forderte ein unabhängiges Flandern. 

Nationalisten unter sich

Am 07. September 1919 wurde er von einem belgischen Gericht zum Tode verurteilt, doch Eugenio Pacelli, damals apostolischer Nuntius, intervenierte bei den belgischen Behörden: Borms sei ein überzeugter Katholik, der nicht mit den deutschen zusammengearbeitet habe, sondern lediglich flämische Gefangene in Deutschland besucht habe. Die Todesstrafe wurde ausgesetzt und in eine lebenslange Hafstrafe umgewandelt, die ihn nicht daran hinderte, in der Politik weiter aktiv zu bleiben. 1929 wurde er amnestiert und kollaboriert während des Zweiten Weltkrieges erneut mit den deutschen Besatzern. Für dieses Vergehen wurde er 1946 hingerichtet. 

Staf de Clercq gründete den Vlaams Nationaal Verbond (VNV), der während der Besetzung im Zweiten Weltkrieg mit den Nationalsozialisten kollaborierte. So stellte der VNV einige Bürgermeister in Flandern. Außerdem organisierte der VNV die Deportation von Jüdinnen und Juden des Gebiets in Konzentrations- und  Vernichtungslager nach Osteuropa. Er starb 1942 unerwartet. 

Die beiden Nazi-Kollaboteure sind nun Teil einer Spezialbeilage des flämischen Regionalparlaments anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens. Darin wurden 14 Persönlichkeiten hervorgehoben, die ihren Beitrag zur “sprachlichen und volklichen Emanzipation” Flanderns geleistet haben. Darunter befanden sind auch August Borms und Staf de Clercq zu finden. 

Kritik aus jüdischen Organisationen

Das Comité de Coordination des Organisations Juives de Belgique (CCOJB) hat mitgeteilt, dass dies ein Skandal sei: “Die Ehrung dieser Kollaborateure des Naziregimes ist ungeheuerlich.” Zwar weise man in den Kurzbiographien darauf hin, dass beide mit den deutschen Besatzern kollaboriert haben, doch die Doppelbotschaft sei schädlich. “Diese schreckliche Geschichte birgt Lektionen, die heute umso mehr nachhallen, als wir in schwierigen Zeiten leben und viele Bürger nach einfachen Antworten und Sündenböcken für die Gesundheitskrise suchen.” 

Le Forum des Organisations Juives (FOJ) aus Flandern hat sich der scharfen Kritik angeschlossen. “Was wäre die Reaktion in Belgien gewesen, wenn das französische Parlament Marschall Pétain und Pierre Laval in einer Broschüre als Ikonen des französischen Volkes präsentiert hätte?”

Der Politikwissenschaftler Pascal Delwit schreibt, dass die Aufnahme der Kollaborateure nicht zu fassen sei. “Diese Persönlichkeiten haben zu den schlimmsten Missständen des Nationalsozialismus, insbesondere an der jüdischen Gemeinschaft, beigetragen.” Auch haben die flämischen Nationalisten die “Legitimität flämischer Forderungen” delegitimiert und so die gesamte flämische Bewegung unterdrückt, so Delwit.