“Freiheit für Pablo Hasél” – Demonstrationen für katalanischen Rapper

Dem katalanische Rapper Pablo Hasél wird unter anderem vorgeworfen, den Terrorismus zu verherrlichen. Dafür soll er nun eine Haftstrafe im Gefängnis absitzen. Der Protest gegen die Strafe hat sich von den sozialen Netzwerken auf die Straße übertragen. 

Demonstrierende forden die Freilassung von Pablo Hasél in Saragossa
Pleininger

“Sie werden kommen und mich entführen müssen, es ist eine Frage der Würde, nicht auf eigenen Füßen ins Gefängnis zu gehen”, sagt Pablo Hasél im Interview mit eldiario.es. Am 28. Januar gab die zuständige Justizverwaltung bekannt, dass der katalanische Rapper zehn Tage Zeit habe, freiwillig ins Gefängnis zu gehen. Dort soll er eine Haftstrafe von neun Monaten und einen Tag absitzen. Auf den spanischen Straßen hat sich in den letzten Tagen Protest formiert. Es wird die Freilassung gefordert.

Einschränkung der Meinungsfreiheit

Es ist nicht das erste Mal, dass Hasél Probleme mit der spanischen Justiz hat. 2011 wurde er verhaftet, da er in einem Liedtext den ehemaligen Generalsekretär der PCE(r), Manuel Pérez Martínez, lobte. Dieser wurde aufgrund seiner Mitgliedschaft bei der Widerstandsgruppe Grupos de Resistencia Antifascista Primero de Octubre (GRAPO) zu 17 Jahren Haft verurteilt. Als die Polizei kam, um Hasél festzunehmen, wurde das Haus seiner Eltern, bei denen er lebte, durchsucht. Dabei wurden ihm Notizbücher, Kameras, T-Shirts und kommunistische Bücher weggenommen, da sie angeblich den Terrorismus verherrlichen würden, so Hasél im Gespräch mit eldiario.es 

2014 wurde er erstmals aufgrund seiner Liedtexte verurteilt: Zwei Jahre Haft, allerdings wurde er vorläufig ohne Kaution freigelassen. 

“Das Ziel dieser Verurteilungen ist es, die Meinungsfreiheit einzuschränken und einige wenige von uns als Sündenböcke zu benutzen und dem Rest der Bevölkerung Angst zu machen, die Monarchie, die Polizeikräfte zu kritisieren oder sich mit den politischen Gefangenen des spanischen Staates zu solidarisieren”.
Pablo Hasél
Rapper 

2017 kam es erneut zu einem Gerichtsverfahren. Dieses Mal wurden bis zu fünf Jahre Haft gefordert. Der Vorwurf: Verherrlichung des Terrorismus, Beleidigung der Krone und Beleidigung der staatlichen Institutionen. Schließlich wurde er zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und einem Tag sowie einer Geldstrafe von 24.300 Euro verurteilt. Der Oberste Gerichtshof bestätigte dies im Mai letzten Jahres.

Gegenstand der aktuellen Verurteilung sind auch Tweets, die Pablo Hasél in der Zeit zwischen 2014 und 2016 veröffentlicht hatte. Darin hat er sich etwa mit dem ehemaligen ETA-Chef solidarisiert. Hasél behauptet, dass dieser durch Polizeifolter starb. Insgesamt sind es 64 Tweets, die zu seiner Verurteilung führten.

Tweets vor Gericht

Es ist auch nicht das erste Mal, dass Tweets in Spanien vor Gericht verhandelt werden: 2018 wurde Cassandra Vera zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil sie auf Twitter mehrere Witze über den Tod des ehemaligen franquistischen Ministerpräsidenten Luis Carrero Blanco machte. Dieser wurde im Dezember 1973 von der ETA ermordet. Die Explosion der Bombe war so stark, dass das Auto des Franquisten über ein mehrstöckiges Gebäude flog. Der Oberste Gerichtshof hatte das Urteil gegen Vera jedoch revidiert und sie freigesprochen. 

Hasél ist auch nicht der einzige Rapper, der für seine Kunst ins Gefängnis muss. Der Mallorquiner Valtònyc wurde wegen ähnlichen Vorwürfen im Jahre 2012 festgenommen und 2018 rechtskräftig verurteilt. Daraufhin floh er nach Belgien, um seiner Haftstrafe zu entgehen. “Ich werde wegen Verleumdung verurteilt, weil ich sage, dass die Bourbonen Diebe sind, und es ist offensichtlich, dass sie es sind. Es wurde in der ganzen Welt veröffentlicht.” 

Im letzten Jahr wurden die krummen Machenschaften und Geschäfte des ehemaligen Königs Juan Carlos I. bekannt. Dieser setzte sich daraufhin nach Dubai ab. Eine genaue Untersuchung und Behandlung des Falles vor Gericht wurde vom spanischen Parlament bis dato erfolgreich verhindert – auch aufgrund der Stimmen der Sozialdemokrat:innen. 

Daher kursiert in den sozialen Netzwerken zurzeit eine Karikatur, in der man Hasél vor dem Richter sitzen sieht. Dieser fragt ihn, ob er schwört die Wahrheit zu sagen. Darauf antwortet der Rapper: Ich sitze hier, weil ich die Wahrheit gesagt habe.