Matanza de Atocha: Der rechtsextreme Terrorist Carlos García Juliá ist erneut auf freiem Fuß

Carlos García Juliá wurde 1980 wegen seiner Beteiligung am rechtsextremen Anschlag in Atocha im Jahre 1977 zu 193 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Flucht nach Lateinamerika Anfang der 90er Jahre wurde er 2018 an Spanien ausgeliefert. Nun wurde er freigelassen.

Ein Denkmal erinnert heute an den rechtsextremen Anschlag vom Januar 1977
maanhom/CC BY-SA 2.0

Die spanische Nachrichtenagentur EFE hat berichtet, dass Carlos García Juliá am gestrigen Donnerstagmorgen aus einem Madrider Gefängnis entlassen wurde. Damit ist der rechtsextreme Terrorist erneut auf freiem Fuß. Zwar wurde er 1980 zu 193 Jahren Gefängnis verurteilt, musste jedoch nur 14 Jahre absitzen. Bereits nach elf Jahren Haft wurde die Gefängnisstrafe auf Bewährung ausgesetzt. Nachdem Juliá eine Arbeitserlaubnis in Lateinamerika erhielt, durfte er ausreisen und kehrte nicht mehr nach Spanien zurück, obwohl die Ausreiseerlaubnis nachträglich zurückgezogen wurde.

Im Dezember 2018 wurde er von Brasilien an Spanien ausgeliefert, da er dort wegen Verbindungen zum Drogenhandel in Bolivien im Gefängnis saß. Nach dem kurzen Aufenthalt in einem Madrider Gefängnis ist der Terrorist wieder auf freiem Fuß, obwohl er laut eines Strafvergleiches, der die Haftzeit in Lateinamerika nicht anrechnete, noch zehn Jahre im Gefängnis zu verbüßen hatte. Ein anderer Strafausgleich, auf den sich der Anwalt Juliás in einem Antrag berief und vom Gericht in Ciudad Real so stattgegeben wurde, rechnete die Haftzeit in Lateinamerika an, so dass der Rechtsextremist nun das Gefängnis verlassen konnte.

Kritik von Opferverband und Kommunist:innen

Die Fundación Abogados de Atocha versuchten die Freilassung von García Juliá zu verhindern. In einer Stellungnahme heißt es: „Unserer Ansicht nach handelt es sich um eine Reihe von Gerichtsentscheidungen, die nicht verstanden werden können – und noch weniger von den Bürgern.“ Auch die Partido Comunista de España (PCE) verurteilt die Freilassung des rechtsextremen Terroristen. „Wir sind der Ansicht, dass diese Entscheidung eine Entrüstung für das Gedenken an die Opfer, für die Partei, der sie angehörten, und für all die Menschen ist, die für die Verwirklichung der heutigen demokratischen Gesellschaft gekämpft haben.“

Am 24. Januar 1977 ermordeten rechtsextreme Terroristen, darunter Carlos García Juliá, fünf kommunistische Anwälte, da sie ihr eigentlich geplantes Opfer, Joaquín Navarro (Generalsekretär der Gewerkschaft Comisiones Obreras) nicht auffinden konnten. Die PCE war zu diesem Zeitpunkt noch nicht legalisiert. In die spanische Geschichte ging das Attentat als Matanza de Atocha ein, da sich die Büros in der Nähe des Madrider Bahnhofes Atocha befanden.

Der Beerdigung der Opfer wohnten über 100 000 Personen bei und wurde so zu der ersten großen Massendemonstration nach Francos Tod. Obwohl die PCE bis April 1977 illegal blieb, mussten die Sicherheitskräfte die kommunistischen und gewerkschaftlichen Demonstrationen im ganzen Land schützen. Der Historiker Paul Preston geht davon aus, dass die friedliche Bewältigung der Tragödie durch die Partei ein wesentlicher Schritt im Prozess der Legalisierung der PCE darstellte.