Nach Morddrohungen: Pablo Iglesias verlässt Debatte bei Cadena SER

Der Spitzenkandidat für das linke Bündnis Unidas Podemos, Pablo Iglesias, hat eine Radiodebatte verlassen, nachdem die Vox-Politikerin Rocío Monasterio die Morddrohungen gegen ihn nicht verurteilen wollte.

Die Morddrohung gegen Iglesias

„Pablo Iglesias Turrion, du hast unsere Eltern und Großeltern sterben lassen. Deine Frau, deine Eltern und du seid zum Tode verurteilt. Deine Zeit läuft ab.“ Diese Drohung, zusammen mit vier Patronen eines CETME-Sturmgewehres, hatte Pablo Iglesias gestern erhalten. Auch der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska (PSOE) und die Direktorin der Guardia Civil, María Gámez (PSOE), waren Opfer einer Morddrohung.

Iglesias kommentierte die Drohung ausführlich auf Facebook. Es handle sich um Drohungen, die jedes Mal ein Stück weitergehen. Dies sei die Konsequenz der Normalisierung der Hassreden der extremen Rechten, sowie die Verbreitung von Falschmeldungen und Lügen durch die Medien. Die Angriffe blieben auch ohne rechtliche Konsequenzen, kritisiert Iglesias.

Zudem richte sich der Angriff nicht nur auf ihn und seine Familie. „Sie greifen auch dich an. Sie greifen dein Recht an, zu wählen, wen du willst, das Recht, deine Freiheit auszuüben.“ Er beendete den Post mit dem Satz: „Um Demokrat:in zu sein, muss man Antifaschist:in sein.“

Dem spanischen Medium eldiario.es liegt die Anzeige, die Iglesias stellte, vor. Darin heißt es, dass die Waffe, zu der die Kugel gehöre, von einem Sturmgewehr stamme, das charakteristisch für seine Präzision und Kraft, sowie seine Zuverlässigkeit sei.  Iglesias befürchtet, dass der/die Absender:in im Besitz dieser Waffe ist. Das CETME-Sturmgewehr war von 1956 bis 1999 bei der Guardia Civil und der spanischen Armee im Einsatz.

“Die Spanier glauben der Regierung nichts mehr”

Bei der heutigen Debatte beim Radiosender Cadena SER kam es aufgrund der Morddrohungen zum Eklat. Die rechtsextreme Politikerin Rocío Monasterio, Spitzenkandidatin für Vox für die Regionalwahlen am 04. Mai in Madrid, sagte während der Debatte, dass die Spanier der spanischen Regierung nichts mehr glauben würden und stellte somit die Echtheit der Morddrohung gegen Iglesias, Marlaska und Gámez in Frage.

Der Eklat war perfekt, als Monasterio sagte: „Wenn Sie so mutig sind, stehen Sie auf und gehen. […] Gehen Sie, das ist was viele Spanier wollen.“ Die Moderation Àngels Barceló versuchte vergebens einzugreifen und Iglesias zum Bleiben zu animieren. „Ich glaube ihr begeht einen sehr großen Fehler, wenn ihr diese Leute beschönigt, damit sie heute hier sein können, um demokratiefeindliche Dinge zu sagen“, sagte Iglesias vorm Verlassen des Studios.

Als Barceló versuchte Iglesias aufzuhalten, warf ihr Monasterio vor, eine politische Aktivistin zu sein, worauf die Moderatorin sagte: „Nein, ich bin eine Demokratin.“ Sowohl der Spitzenkandidat für die Sozialdemokrat:innen und die Spitzenkandidatin für Más Madrid kündigten an, die Debatte zu verlassen. „Ich stimme mit Herrn Iglesias überein, es scheint mir ein Wendepunkt zu sein. Was getan werden muss, ist, diesen Ort zu verlassen“, sagte Ángel Gabilondo (PSOE). Más Madrid und Unidas Podemos kündigten an, in Zukunft an keiner Debatte mehr teilzunehmen, in der auch Vox vertreten sein wird.

Am Ende der Debatte beschwerte sich Monasterio, dass sie während der Debatte kaum zu Wort gekommen sei. Sie sprach von einer „Diktatur“. Im Anschluss äußerte sich Moderatorin Àngels Barcelo: „Es gibt keinen Zweifel mehr daran, wer Vox ist: eine neofaschistische und rechtsextreme Partei.“