Neo-Nazi Aufmarsch in Madrid ehrt die División Azul und hetzt gegen Jüd:innen

300 Rechtsextremist:innen gedachten den gefallenen Soldaten der División Azul und zeigten den Hitlergruß. Jüdische Verbände zeigen sich schockiert über die Bilder aus der spanischen Hauptstadt.

Soldaten der División Azul auf dem Weg zu ihrer Stellung
Gemeinfrei/Edescas/CC BY-SA 3.0

Das Foto von Isabel Peralta ist durch die sozialen Netzwerke gegangen. Eine junge Frau, die mit ihrem geschminkten Gesicht und roten Lippen einer typischen Influencerin ähnlich sieht, hebt ihren rechten Arm zum faschistischen Gruß. In der anderen Hand hält sie ein Mikrofon, durch das sie sagte: “Der Feind wird immer derselbe sein, auch wenn er verschiedene Masken trägt. Der Jude. […] Der Jude ist der Schuldige und die División Azul kämpfte gegen ihn.”

“Kampftruppe gegen den Bolschewismus”

Die División Azul (dt. die blaue Division) war eine spanische Freiwilligengruppe, die die deutsche Wehrmacht unmittelbar nach dem Angriff auf die Sowjetunion als “Kampftruppe gegen den Bolschewismus” unterstützen sollte. Bis zu 46 000 Mann wurden nach und nach ins Deutsche Reich gebracht, um dort ausgebildet und auf Adolf Hitler vereidigt zu werden. 1943 holte General Franco die übrig gebliebenen Truppen wieder nach Spanien zurück, da der außenpolitische Druck auf Spanien stieg. 

Diese Division wurde nun von 300 Rechtsextremist:innen in Madrid geehrt. Organisiert wurde der Aufmarsch von der Juventud Patriota, einer Neo-Nazi Organisation. Andere rechtsextreme Organisationen, wie die Parteien España2000 und die faschistische Falange unterstützten den Aufmarsch.

Ziel der Faschist:innen war der Almudena Friedhof, auf dem es ein Denkmal für die Gefallenen der División Azul gibt. Dort legten sie einen Kranz nieder, der mit einem Hakenkreuz geschmückt war. Für das religiöse Zeremoniell sorgte ein Priester, der zu den Rechtsextremist:innen sagte, dass Marxismus nach wie vor den Frieden in der Gesellschaft stören würde.

Scharfe Kritik von verschiedenen Seiten

Die Bilder der singenden und hetzenden Faschist:innen sorgte besonders bei jüdischen Verbänden für Entsetzen. Die Federación de Comunidades Judías de España (FCJE) fordert, dass die Staatsanwaltschaft ermitteln soll. Außerdem werde man selbst mit allen zur Verfügung stehenden juristischen Mitteln handeln. 

Auch die russische Botschaft hat sich in einer Mitteilung geäußert: “Es gibt würdigere Wege, der Gefallenen zu gedenken (die starben, weil sie Hitlers Propaganda Glauben schenkten), als sich der Nähe zu den Nazis zu rühmen, die zig Millionen unschuldiger Menschen ermordeten, darunter 6 Millionen Juden und 27 Millionen Sowjetbürger, die während des Zweiten Weltkriegs getötet wurden.” Die Gewerkschaft UGT hat ebenfalls die Staatsanwaltschaft aufgefordert, die Vorgänge in Madrid zu untersuchen.

Wie eine Anfrage der Partei Die LINKE im Jahr 2015 ergab, zahlte die Bundesrepublik Deutschland zum Zeitpunkt der Anfrage 107.352 Euro jährlich an Opfer und Angehörige der División Azul. Grundlage dafür ist ein Vertrag zwischen der BRD und Spanien aus dem Jahre 1962.