Sterbehilfe-Aktivist Ángel Hernández tritt nicht für Podemos an

Bei den Neuwahlen in der Region Madrid am 04. Mai wird Ángel Hernández nicht für Podemos antreten, wie der 71-jährige in einem Video mitteilte. Zwei Gründe sprechen gegen eine Kandidatur.

Sterbehilfe Aktivist Angel Hernandez

Die linke Partei Podemos sorgt im Vorfeld der Madrider Regionalwahlen für Überraschungen. Zum einen hatte ihr Generalsekretär Pablo Iglesias, der außerdem Minister und Vizepräsident der spanischen Regierung ist, angekündigt, von diesen Posten zurückzutreten, um als Kandidat für seine Partei in Madrid ins Rennen zu gehen. 

Kurz nachdem der spanische Kongress die letzte Hürde für die Legalisierung der Sterbehilfe genommen hatte, wurde außerdem bekannt, dass Podemos den bekannten Sterbehilfekaktivisten Ángel Hernández für eine Kandidatur auf ihrer Liste angefragt hatte. Dieser lehnte jedoch mit zwei Begründungen ab.

Hernández will es ruhiger angehen lassen 

Zum einen werde er kurz nach den Wahlen im Mai 72 Jahre alt. Nach den Jahren seines Kampfes für die Legalisierung der Sterbehilfe sei es an der Zeit, es etwas ruhiger angehen zu lassen. Zum anderen erwartet ihn in diesem Jahr ein Verfahren wegen Beihilfe zum Suizid. 

Im Jahr 2019  half Ángel Hernández seiner schwerkranken Frau María José Carrasco beim Suizid. „Hätte ich sie länger leiden lassen, wäre ich ein Folterer gewesen“, sagte er im Gespräch mit publico.es. Sie habe ihn sehr oft darum gebeten, sie zu töten. Einen Selbstmordversuch überlebte sie zu diesem Zeitpunkt bereits.

Hernández verabreichte ihr ein Medikament, dass sie vorher selbst im Internet bestellt hatte, um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Zehn Minuten nach der Einnahme über einen Strohhalm war sie tot. Das Verfahren gegen ihren Ehemann wird in diesem Jahr vor einem Gericht stattfinden, das auf Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt spezialisiert ist. Die Staatsanwaltschaft fordert sechs Monate Gefängnis. Es ist von violencia machista die Rede.

Keinen Schritt nach rechts

Angesichts dessen hält es Hernández für keine gute Idee als Kandidat für Podemos anzutreten. Die mögliche mediale Ausschlachtung hätten nicht nur Folgen für ihn, sondern auch für Podemos. Sollte das Verfahren bereits im April eröffnet werden, könnte dies auch den Wahlkampf in Gefahr bringen.

Dennoch werde er Podemos unterstützten, sagte Hernández in dem Video. Man dürfe nicht zulassen, dass die Rechtsextremen an die Regierung kommen, da sonst sämtliche Bürgerrechte, für die man jahrelange gekämpft hatte, in Gefahr wären. Er selbst weiß, wovon er spricht: Als Antifaschist war er während der Francodiktatur im Gefängnis und im Exil. 

Hernández zählt auch die Legalisierung der Sterbehilfe zu diesen Bürgerrechten, die von der konservativen Partido Popular und der rechtsextremen Partei Vox im spanischen Kongress abgelehnt wurde. Die erste Hürde für das Gesetz wurde vor einem Jahr genommen, kurz bevor Spanien von der ersten Welle der Pandemie hart getroffen wurde. Als es zu den vielen Toten in den Altenheimen kam, kommentierte eine Vox-Politikerin, dass die sozial-kommunistische Regierung die Sterbehilfe gleich bei den alten Menschen in den Heimen ausprobieren musste. 

In Madrid hatte die konservative Partido Popular bereits angekündigt, sich von Vox unterstützen zu lassen. Ob dies auch eine Regierungsbeteiligung der Rechtsextrmist:innen bedeuten könnte, ist noch unklar.

Sterbehilfe nur unter Voraussetzungen

Das Gesetz zur Sterbehilfe sieht vor, dass sich Menschen mit schweren, unheilbaren oder chronischen Krankheiten legal töten lassen können, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. So muss die Entscheidung von sich aus gefällt und einem medizinischen Personal mitgeteilt werden, ohne äußeren Druck. Die Person muss volljährig und mündig sein.

Außerdem ist eine spanische Staatsbürgerschaft oder ein Wohnsitz in Spanien notwendig. Es werden zwei Beantragungen benötigt, wobei zwischen der ersten und zweiten 15 Tage liegen müssen. Die Sterbehilfe erfolgt je nach Situation in einem Gesundheitszentrum oder zuhause.