COVID-19 in Lateinamerika (3) – Kolumbien

Mit fast 50 Millionen Einwohnern ist Kolumbien das größte spanischsprachige Land Südamerikas. Nach jahrzehntelangen gewaltsamen Konflikten kann man den momentanen Friedensprozess, welcher zu einer Entwaffnung der linken Rebellengruppe FARC führte, allenfalls als brüchig bezeichnen. Gerade die Zeit seit 1948 hat tiefe Spuren in der Gesellschaft hinterlassen.

Die aktuelle Statistik zeigt 24.104 positive COVID-19 Fälle. Das sind 1.101 mehr als noch am Vortag. 6.111 Personen sind wieder genesen und 803 Todesfälle sind zu beklagen.  
Die kolumbianische Regierung hat eine “intelligente Quarantäne” von zwei Monaten verordnet, wobei sie aktuell das Land langsam wieder für die Wirtschaft öffnet.

In Kolumbien scheint sich wenig zu ändern.
TitiNicola/CC BY 4.0

Soziale Situation bereits vor Corona kritisch

Doch der Großteil der Bevölkerung findet sich in prekären Lebens- und Arbeitssituationen wider. Etwa 60% der Menschen im Land fristen ihr Dasein als Tagelöhner, Erntehelfer oder in ähnlichen schlecht bezahlten und körperlich anstrengenden Arbeiten. Zudem wird meist schwarz bezahlt, sodass nicht einmal ein Mindestmaß an sozialer Sicherung gegeben ist.

“Die Menschen können nicht eingesperrt leben, weil sie arbeiten müssen”, sagt Daniel Casas Ramirez im Gespräch mit Alerta über die Situation in Kolumbien. Der 28-jährige macht aktuell seinen Master in Wirtschaftswissenschaften. “Sie arbeiten auch dann, wenn sie infiziert sind, da sie auf das Geld angewiesen sind”, fährt der Student aus Bogotá fort. 

Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern besorgniserregend

Die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern sind zum Teil fatal, wie er uns berichtet. So habe das Pflegepersonal keine Schutzausrüstung oder müsse sich diese selbst organisieren. Der Höhepunkt der Corona-Pandemie wird in Kolumbien für Juni/Juli erwartet. “Dann werden wohl besonders in den ländlichen Gebieten viele Leute sterben”, schlussfolgert Casas Ramirez. 

Landflucht stellt die Infrastruktur der Landes schon seit längerem vor große Probleme. Etwa 70% der Bevölkerung lebt in den Ballungsgebieten. Doch gerade die verbliebenen Menschen auf dem Land sind von starker Armut betroffen. Hieraus resultiert auch der teils starke Rückhalt der organisierten Kriminalität, gerade in den höher gelegenen Andenregionen.

Auch während der Coronakrise scheint die allgegenwärtige Korruption das Hauptproblem des Landes darzustellen. Die Kosten hierfür wird vor Allem der ärmere Teil der Bevölkerung tragen müssen. Hier bleibt leider alles beim Alten.