COVID-19 in Lateinamerika (5) – Argentinien

Die argentinische Republik zählt mit ihren ca 45 Millionen Einwohnern in etwa so viele Bürger wie das Königreich Spanien, obwohl es bezogen auf das Staatsgebiet das achtgrößte Land der Welt ist. Argentiniens politische Geschichte lässt sich nach traditionellen Maßen nur schwer einordnen. Gerade die Periode des Peronismus hat das Land stark geprägt, weshalb es heutzutage noch mehrere Parteien gibt, welche sich “peronistisch” nennen.

Gerade mit Hinblick auf die zahlreichen Militärregierungen, von welchen die Zeit von 1976 – 1983 als besonders grausam in Erinnerung blieb, leidet das Land immer noch teils stark unter den kaum aufgedeckten Grausamkeiten. Die Aufarbeitung wurde lange vom argentinischen Militär blockiert.

Gerade die Hauptstadtregion wurde schwer von der Krise getroffen
Herbert Brant/CC BY-SA 3.0

Ungleiche Situation in Buenos Aires und dem restlichen Staatsgebiet

Aktuell verzeichnet Argentinien laut offiziellen Zahlen 15.406 positive COVID-19 Fälle. Davon sind 4775 wieder genesen und 520 bisher verstorben. Um gegen die Verbreitung des Virus vorzugehen und die Krankenhäuser zu entlasten, gilt seit zwei Monaten eine Ausgangssperre.

Doch gerade in der Hauptstadtregion um Buenos Aires, welche mit 16 Millionen Einwohnern ein gutes Drittel der Gesamtbevölkerung des Landes beherbergt, gestaltet sich die Situation ernst. Besonders in den ärmeren Vierteln der Stadt leidet die Bevölkerung unter der teils schlechten medizinischen und hygienischen Versorgung.

Auf der anderen Seite werde die offizielle Ausgangssperre im Rest des Landes kaum ernsthaft durchgesetzt, wie uns Alejo García im Gespräch mitteilt. Der 28-jährige Anwalt für Strafrecht aus Buenos Aires weiter: “Die Situation scheint unter Kontrolle, da wir eigentlich über ausreichende medizinische Kapazitäten im Land verfügen. Dennoch steigen die Fallzahlen weiterhin.”

“Uns geht es verhältnismäßig gut.”

Die Pandemie hat auch in Argentinien Auswirkungen auf die Wirtschaft. Die Geschäfte haben zwar größtenteils geöffnet, dennoch gestaltet sich der Einkauf schwierig. Der öffentliche Nahverkehr darf lediglich von Personen in systemrelevanten Berufen genutzt werden. Gastronomische Betriebe sind besonders von der aktuellen Lage betroffen, da Bars und Restaurants aufgrund der behördlichen Verordnungen nach wie vor geschlossen sind.

Dennoch gibt sich García zuversichtlich. “Verglichen mit den anderen lateinamerikanischen Staaten geht es uns verhältnismäßig gut.”