COVID-19 in Lateinamerika (6) – Costa Rica

Costa Rica ist die älteste und stabilste Demokratie Mittelamerikas. Der Tropenstaat liegt zwischen Panama im Süden und Nicaragua im Norden und hat eine Pazifik- und Karibikküste. Das kleine Land ist zu grossen Teilen von Urwald bedeckt, der durch Nationalparks geschützt wird und eine der grössten Artenvielfalten der Welt beherbergt.

Ein grosser Teil der Bevölkerung lebt im dicht besiedelten zentralen Hochland und der dort liegenden Hauptstadt San José. Die Bevölkerung liegt bei ca 5 Mio. Einwohnern. Costa Rica hat seit 1949 kein Militär mehr und investierte stattdessen in Bildung und öffentliche Gesundheit. 

Costa Rica wurde international für sein Krisenmanagement gelobt.

Schnelle Reaktionen der Regierung

Offiziell sind in Costa Rica 1022 Personen an Covid-19 erkrankt, davon sind inzwischen zehn Personen verstorben. Am 5. März wurde der erste Coronavirus-Verdachtsfall bekannt. Die Reaktion der Regierung erfolgte schnell: Schon am 9. März wurden Grossveranstaltungen untersagt, seit Ausrufung des nationalen Notstandes am 16. März haben auch alle Schulen geschlossen, also etwa zeitgleich mit Deutschland.

Von den angeordneten Schliessungen waren auch sämtliche öffentliche Einrichtungen, Restaurants, Bars und Kinos, sowie die Nationalparks und Strände betroffen. Am 18. März wurden sämtliche Grenzen geschlossen, die Einreisebeschränkung wurde immer wieder verlängert und gilt derzeit bis zum 30. Juni. Die Reaktion des Landes wird (wie auch u.A. Uruguay) gelobt und gilt als vorbildlich. 

Verantwortlich für die vorläufigen Erfolge in der Bekämpfung der Epidemie gelten der schnelle Beschluss und die Umsetzung von Maßnahmen durch Regierung und Parlament, die verhältnismässig gute Gesundheitsversorgung, die effiziente Zusammenarbeit der öffentlichen Institutionen und die Bemühungen der Bevölkerung bei der Einhaltung der staatlichen Bestimmungen. 

Viel öffentliche Kommunikation

Der Gesundheitsminister und Epidemologe Daniel Salas Peraza koordiniert die Anstrengungen, die Costa Rica unternimmt. Medizinische Fakultäten forschen am Virus und entwickeln eigene Tests, während in Zusammenarbeit mit den Ingenieurswissenschaften eigene Beatmungsgeräte entwickelt werden, die im Land gebaut werden können. Die staatliche Alkoholbrennerei hat ihre Produktion auf Desinfektionsmittel umgestellt und die Post stellt dieses kostenfrei den Haushalten zu.

Überall finden sich Poster, die etwa auf öffentlichen Toiletten das richtige Händewaschen oder Maßnahmen wie den Sicherheitsabstand von 2m erklären und bewerben. Sogar auf den sozialen Medien YouTube und Facebook schaltet das Gesundheitsministerium Anzeigen. Das Parlament Costa Ricas hat außerdem beschlossen, für Arbeitnehmer, deren Arbeitsstellen von der aktuellen Krise betroffen sind, soziale Sicherungen bereitzustellen. Die allgemeine Krankenversicherung deckt etwa 95% der Bevölkerung ab. Darüber hinaus sind die Tests und die Behandlung gegen das Coronavirus auch für Unversicherte kostenfrei.

Wegfallender Tourismus als größte Herausforderung

Die UN bezeichnet Covid-19 als „die vielleicht grösste Herausforderung an die Errungenschaften Costa Ricas“. Das mittelamerikanische Land ist stark vom Tourismus abhängig. 3 Mio. Touristen besuchen Costa Rica jährlich, die Meisten davon aus den USA. Der Tourismus hat 1991 Kaffeeanbau als wichtigsten Wirtschaftszweig abgelöst und macht 7% des BIP aus (2018). 13% der Beschäftigten des Landes arbeiten im Tourismus, vor allem im Niedriglohnsektor.

Die Regierung von Costa Rica und die Weltbank erwarten im Zuge der Covid-19-Krise den Verlust von 500.000 Arbeitsplätzen (bei einer Bevölkerung von rund 5 Mio. Menschen), es könnte also jeder fünfte Arbeitsplatz verloren gehen. Auch für die Staatsverschuldung und die Armutsrate wird ein deutlicher Anstieg erwartet. Außerdem wird befürchtet, dass das Ende der Trockenzeit und der Beginn der Regenzeit Anfang Mai die Übertragung des Virus über die Luft begünstigen könnten.

Für die Zukunft wird vor Allem die Frage eine Rolle spielen, ob der Tourismus rechtzeitig in Schwung kommt und wie weit die Neue Schuldenlast zu Einschnitten im Bildungs- und Gesundheitssystem und zu weiteren Privatisierungen führen wird.